Tiefenlager: Die lange Suche nach einem Standort

BERN ⋅ Seit den 1970er Jahren sucht die Schweiz nach geeigneten Lagern für radioaktive Abfälle.

30. Januar 2015, 15:54

Nachfolgend die wichtigsten Stationen dieser Standortsuche:

1972: Gründung der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) durch die Eidgenossenschaft und die Betreiber der fünf Kernkraftwerke.

1978: Der Bundesrat beauftragt die Nagra mit der Prüfung von Lagermöglichkeiten radioaktiver Abfälle in der Schweiz.

Sommer 1988: Der Bundesrat entscheidet, gestützt auf die Untersuchungen der Nagra, dass schwach- und mittelradioaktiver Atommüll in der Schweiz entsorgt werden kann. Er erlaubt der Nagra Sondierungen am Wellenberg in Wolfenschiessen NW.

1993/1994: Die Nagra schlägt als Lager-Standort für schwach- und mittelaktive Nuklearabfälle den Wellenberg vor, für hochradioaktive und langlebig mittelaktive Abfälle Benken im Zürcher Weinland.

1995/2002: Die Stimmenden in Nidwalden sagen zwei Mal Nein zu Plänen für ein solches Lager im Wellenberg.

18. Juni 2001: Das Zwischenlager für radioaktive Abfälle in Würenlingen AG nimmt den Betrieb auf.

20. Dezember 2002: Die Nagra erklärt nach Untersuchungen im Zürcher Weinland, der dortige Opalinuston sei für ein Tiefenlager geeignet. Sie empfiehlt die Fokussierung auf Benken ZH.

10. Mai 2004: Die Schweiz beteiligt sich am EU-Projekt «SAPIERR» zur Suche nach einem multinationalen Endlager für langlebige und hochaktive Atomabfälle. Als möglicher Endlager-Standort wird Russland genannt.

1. Februar 2005: Kernenergiegesetz und -verordnung treten in Kraft. Danach dürfen ab Mitte 2006 keine abgebrannten Brennstäbe mehr ins Ausland (La Hague in Frankreich, Sellafield in Grossbritannien) exportiert werden. Atommüll muss grundsätzlich im Inland entsorgt werden.

12. September 2005: Die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) erklärt den Untergrund im Zürcher Weinland für geeignet für ein Atomendlager. Das öffentliche Auflageverfahren beginnt.

28. Juni 2006: Der Bundesrat hält die Lagerung von hoch- und mittelradioaktiven Abfälle aus den Atomkraftwerken in der Schweiz für möglich, die Nagra habe den Nachweis erbracht. Die Standortsuche soll sich nicht auf das Zürcher Weinland beschränken.

April 2007: In der Vernehmlassung zum Sachplan Geologische Tiefenlager des Bundes sind sich Parteien und Verbände nicht über die Grösse des Lagers einig: SP und Grüne wollen es auf die fünf bestehenden AKW ausrichten, die Bürgerlichen wollen auch mögliche kommende AKW einbeziehen.

2. April 2008: Der Bundesrat gibt grünes Licht für die Standortsuche.

6. November 2008: Das Bundesamt für Energie nennt sechs Regionen zwischen Nordschweiz, Jurasüdfuss und Wellenberg als geeignete Standorte zum Bau von Tiefenlagern für radioaktive Abfälle. Als geeignete Gebiete werden neben Jura Ost im Kanton Aargau und Zürich Nordost in den Kantonen Zürich und Thurgau auch Jura-Südfuss (SO/AG), Nördlich Lägern (ZH/AG), Südranden (SH) und Wellenberg (NW/OW) genannt.

26. Februar 2010: Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) gibt bekannt, dass nach einer Prüfung noch alle sechs von der Nagra vorgeschlagenen Lager-Standorte für radioaktive Abfälle in Frage kommen.

13. Februar 2011: Die Stimmberechtigten des Kantons Nidwaldens lehnen ein Lager für radioaktive Abfälle im Wellenberg weiter ab. Mit klarer Mehrheit wird die Stellungnahme des Regierungsrates gutgeheissen. Diese verlangt, der Wellenberg sei aus der Liste der möglichen Standorte zu streichen.

1. Dezember 2011: Die Suche nach Standorten für geologische Tiefenlager für radioaktive Abfälle geht in eine neue, zweite Runde. Dabei wird die Sicherheit der sechs von der Nagra vorgeschlagenen Standorte vertieft geprüft. Gleichzeitig wird nun auch die Bevölkerung in das Auswahlverfahren einbezogen.

6. November 2014: Im Felslabor Mont Terri im jurassischen St. Ursanne beginnt die Nagra einen Testlauf für ein zukünftiges Tiefenlager für hochradioaktive Abfälle.

30. Januar 2015: Die Nagra schlägt Jura Ost und Zürich Nordost als Standorte für die Lagerung sowohl von schwach und mittelradioaktiven als auch von hochradioaktiven Atomabfällen vor.

sda
 


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