Wer tritt in Bern gegen von Graffenried an?

WAHLEN STADT BERN ⋅ Die Stichwahl um das Berner Stadtpräsidium stellt zwei Frauen vor eine schwierige Entscheidung. Die Sozialdemokratin Ursula Wyss und die Grüne Franziska Teuscher müssen bis Donnerstag entscheiden, ob sie ihre Kandidatur aufrecht erhalten.

28. November 2016, 16:30

Beide träumten davon, Alexander Tschäppät (SP) zu beerben und als erste Frau in den Erlacherhof einzuziehen. Doch das beste Resultat erzielte am Sonntag Alec von Graffenried von der grünen Mitte-Partei GFL.

Der 54-jährige Bernburger holte Stimmen in allen politischen Lagern und schaffte die Wahl in die Stadtregierung souverän. Niemand zweifelt daran, dass er im Rennen ums Stadtpräsidium bleibt.

Ursula Wyss (SP) galt lange als Top-Favoritin. Schliesslich gehört sie der wählerstärksten Partei an und hat bereits eine Amtszeit als Bau- und Verkehrsdirektorin hinter sich. Vom Wahlresultat wurde sie womöglich auf dem falschen Fuss erwischt. Sie blieb bei der Stadtpräsidiums-Wahl fast 1500 Stimmen hinter von Graffenried.

Wyss braucht Zeit

Wyss benötige noch ein wenig Bedenkzeit, erklärte die SP-Spitze am Montag. Den Entscheid werde sie wohl am Mittwoch bekanntgeben. Die SP werde die Zeit nutzen, um weitere Gespräche mit den Bündnispartnern Grünes Bündnis und Grüne Freie Liste zu führen.

Franziska Teuscher (GB) blieb bei der Stadtpräsidiums-Wahl zwar deutlich hinter von Graffenried und Wyss zurück. Bei den Gemeinderatswahlen lag sie aber überraschend vor Wyss. Die Frage ist letztlich, welche Frau sich eher zutraut, von Graffenried doch noch den Weg in den Erlacherhof zu verbauen. Schwierig wird es für beide.

Bürgerliches Desaster

Die drei Parteien der Rot-Grün-Mitte-Allianz (RGM) bemühten sich am Montag, ihren Triumph vom Wochenende auszukosten. In der fünfköpfigen Stadtregierung holten sie den vierten Sitz, und auch im Parlament legten sie nochmals zu.

Den Sitzgewinn bei den Gemeinderatswahlen verdanken sie allerdings der Uneinigkeit der bürgerlichen Parteien. SVP und FDP traten diesmal getrennt an. Das kostete Finanzdirektor Alexandre Schmidt (FDP) den Job.

Die SVP schaffte das erhoffte Comeback im Gemeinderat nicht. Der fünfte Sitz ging vielmehr an Reto Nause von der CVP, der die Mitte-Parteien geschickt um sich scharte und so die Vorteile des Proporzwahlrechts für sich nutzte. Nause kündigte bereits an, er werde beim Stadtpräsidium nun von Graffenried unterstützen.

Mutmasslicher Wahlbetrug

Überschattet wurden die Berner Wahlen von einem mutmasslichen Wahlbetrug. Die Stimmenzähler entdeckten 300 Wahlzettel mit der gleichen Handschrift. Sie wurden für ungültig erklärt.

Auf den Wahlzetteln waren lauter SVP-Kandidaten aufgeführt. SVP-Präsident Rudolf Friedli reichte deshalb am Montag eine Strafanzeige gegen Unbekannt ein. Die Partei wolle wissen, wer ihr Böses wolle - auch wenn der Urheber reichlich unbedarft vorgegangen sei.

Auch die Stadt Bern reicht eine Anzeige ein. Es gehe um Stimmenfang und allenfalls um Wahlfälschung, teilte sie mit. Nähere Angaben machte sie mit Verweis auf die bevorstehende Untersuchung nicht. (sda)


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