Zweite Säule: Frauen erhalten ein Viertel weniger Rente als Männer

ALTERSVORSORGE ⋅ Viele Neurentner lassen sich einen grossen Teil ihres Pensionskassenkapitals auszahlen. Männer beziehen mehr als doppelt so viel Kapital wie die Frauen.
25. März 2017, 04:29

 

Vor zwei Jahren erhielten rund 87'000 Personen zum ersten Mal eine AHV-Rente. Das dürfte in etwa der Zahl der Leute nahe kommen, die sich aus Altersgründen vom Berufsleben verabschiedeten. Im gleichen Jahr liessen sich 41'000 Neurentner Kapital aus der Pensionskasse auszahlen, nur 33'000 bekamen aber erstmals eine Kassen-Rente.

Das legt den Schluss nahe, dass etwa jeder fünfte Pensionskassen-Versicherte beim Rentenantritt sein ganzes Kapital aus der Pensionskasse abzügelt und auf eine Kassen-Rente verzichtet. Die vollständige Kapitalauszahlung ist vor allem in der Westschweiz weit verbreitet. Die grosse Mehrheit kombiniert indes Kapitalbezug und Rente.

Frauen haben von der zweiten Säule weniger

Die Zahlen zu den Neurentnern, zu denen auch die vorzeitig Pensionierten zählen, hat das Bundesamt für Statistik erstmals erhoben. Sie stammen aus dem Jahr 2015. «Grosse Überraschungen bergen sie nicht in sich, doch nun haben wir die Fakten schwarz auf weiss», sagt Olivia Huguenin vom Bundesamt für Statistik (BfS). So offenbart die Studie grosse Unterschiede bei der zweiten Säule (Pensionskassen). Bei ihr gibt es keine Umverteilung im grossen Stil wie bei der AHV (erste Säule) und im Gegensatz zur freiwilligen Vorsorge (dritte Säule) ist der Sparprozess über 40 Jahre angelegt und obligatorisch. Darum schlagen dort die Lohnunterschiede auch stark durch. Bei der AHV und auch bei der dritten Säule wirken sie sich nicht stark aus.

Die Zahlen machen deutlich, dass Männer mehr in die Pensionskasse einbezahlt haben als Frauen und darum beim Rentenantritt finanziell besser fahren. «Das hat einerseits mit den Erwerbsbiografien der Frauen zu tun, viele haben wegen den Familienpausen Beitragslücken. Kommt hinzu, dass Frauen sich bis in die 1990er-Jahre bei der Heirat das Pensionskassenkapital hatten auszahlen lassen können. Das fehlt, wenn sie nun in Rente gehen», sagt Huguenin. Dass die Frauen durchschnittlich ein Viertel weniger Rente als die Männer bekommen, ist weitgehend auf die zweite Säule zurückzuführen (siehe Grafik).

Doch auch bei den Männern sind die Unterschiede bei der Pensionskassenrente recht gross. Das macht der Vergleich zwischen den Frührentnern und den 65-jährigen Erstbezügern deutlich: Obwohl sie bei einem vorzeitigen Rentenbezug erhebliche Abstriche beim Umwandlungssatz hinnehmen müssen, beziehen die Frührentner mit monatlich 4'242 Franken im Schnitt die höchsten Pensionskassenrenten. Diejenigen, die bis 65 am Arbeitsplatz ausgeharrt haben, bringen es auf einen Mittelwert von 3'066 Franken. Die Erklärung: Die Gutverdiener sparen in der zweiten Säule deutlich mehr Kapital an und erhalten selbst bei einem vorzeitigen Abgang noch höhere Renten als die Normalverdiener. Bei den Durchschnittsrenten aus AHV und Pensionskasse mit 4316 Franken für Männer (65) und 3'218 Franken für Frauen (64) ist zu berücksichtigen, dass die Renten oft durch Kapitalbezüge aus den Pensionskassen geschmälert werden.

Rund 16'000 Personen bezogen 2015 Geld aus der Pensionskasse, um Wohneigentum zu kaufen. Im Durchschnitt summierte sich der einzelne Vorbezug auf 77000 Franken.

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

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