Kommentar

Referenzpreissystems für Medikamente: Absage an Rechenspiele

Balz Bruder über die geplante Einführung eines Referenzpreissystems für Medikamente.
17. Mai 2017, 06:47

Der Schweizer Medikamentenmarkt ist immer wieder ein Aufreger. Mal sind es die Preise, die uns im Auslandvergleich staunen lassen. Mal sind es Warnrufe über den drohenden Bedeutungsverlust des Forschungsstandorts. Mal sind es Pauschalvorwürfe an die Branche, die beim Wettern über die Entwicklung der Gesundheitskosten erhoben werden.

Hohe Wellen schlägt derzeit die Diskussion über die geplante Einführung eines Referenzpreissystems. Es hätte zur Folge, dass der Patient die Preisdifferenz zwischen Original- und Nachfolgepräparat selber berappen müsste, wenn nicht das günstigste Medikament zur Anwendung kommt. Der Aufschrei der Branche gegen die Pläne des Bundesrats liess denn auch nicht lange auf sich warten. Das beste Argument der Branche ist dabei nicht der behauptete Verlust der Wahlfreiheit des Patienten. Diese gibt es zwar theoretisch, faktisch sind es jedoch die dispensierenden Ärzte und Apotheker, die uns sagen, was für uns das Beste ist. Und wir glauben’s in der Regel. Auch wenn Entscheide nicht zuletzt entlang der Marge verlaufen.

Nein, der beste Grund, dem unsozialen Konstrukt eine Absage zu erteilen, ist der Hinweis der generischen Industrie darauf, dass sich mit dem konsequenten Einsatz von Nachfolgepräparaten über die bereits realisierte Milliarde hinaus weitere 300 Millionen an Prämiengeldern einsparen liessen. Wir wollen gleichzeitig das wirksamste und günstigste Medikament. Hier steht also die Pharmabranche in der Pflicht. Das bringt uns Patienten mehr als ein bürokratischer Rechenakt. Als Krankenversicherte ebenso wie als mehr oder weniger Kranke, die auf eine sichere Versorgung angewiesen sind.

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch

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