Schweizer Bauern fürchten sich vor Afrikanischer Schweinepest

ANSTECKEND ⋅ Der Bund geht gegen die Afrikanische Schweinepest vor. Laut Experten ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Tierseuche auch in der Schweiz auftritt. Beim Bauernverband ist man besorgt.
11. April 2018, 05:00

Michel Burtscher

Beginnen könnte der Ernstfall mit einem Schinkensandwich oder einer Salami. Hergestellt in Polen, der Ukraine oder Tschechien und weggeworfen in einem Schweizer Wald oder in der Nähe davon, auf einer Autobahnraststätte etwa. Dort könnte das kontaminierte Fleisch von einem Wildschwein gefressen werden – und die afrikanische Schweinepest laut Experten so ihren Weg in die Schweiz finden und sich auch hierzulande ausbreiten.

Beim Bund gilt für die hochansteckende Tierseuche bereits die Alarmstufe rot: Die Gefahr, dass die Krankheit hierzulande auftreten kann, schätzt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) mittlerweile als gross ein. Es hat darum kürzlich ein nationales Früherkennungsprogramm gestartet, damit eine Einschleppung des Virus möglichst schnell erkannt wird. Jäger und Wildhüter sind angehalten, jedes tote Wildschwein zu melden. Die Tiere werden dann auf die Krankheit getestet.

Keine Gefahr für den Menschen

Bisher sind die Schweiz und ihre Nachbarländer zwar verschont geblieben von der Seuche, von der neben Wildschweinen auch Hausschweine befallen werden können. Experten warnen aber: «Die Krankheit ist nicht mehr weit von uns entfernt», sagt Marie-Pierre Ryser, die Leiterin der Abteilung Wildtiere am Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin der Universität Bern. «Die Frage ist weniger, ob die Afrikanische Schweinepest nach Westeuropa kommen wird, sondern wann und wo der nächste Ausbruch auftritt», betont sie. Tatsächlich ist die Krankheit näher gerückt in den vergangenen Jahren – langsam zwar, aber stetig. Seit 2007 hat sie sich über Georgien in Russland ausgebreitet und von Osten her unter anderem Polen, Rumänien und die baltischen Staaten erreicht. Mitte des vergangenen Jahres wurde die Schweinepest dann erstmals in Tschechien nachgewiesen – und ist damit nur noch rund 700 Kilometer von der Schweiz entfernt.

Für den Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich – auch wenn er kontaminiertes Fleisch gegessen hat. Umso fataler ist sie für die Tiere: Der Krankheitsverlauf ist meist kurz und tödlich, von der Infektion bis zum Tod vergehen in der Regel weniger als zehn Tage. Das Virus verbreite sich zwar nicht so schnell, dafür bleibe es lange bestehen, sagt Ryser. «Wenn ein Tier tot ist, kann das Virus monatelang in den Körperresten und möglicherweise sogar im Boden bleiben.» Andere Tiere können sich also noch lange Zeit anstecken. Hinzu kommt, dass es für die Schweinepest bisher kein Gegenmittel gibt: weder Medikamente, noch Impfstoffe.

Der Ausbruch der Krankheit könnte denn auch verhängnisvolle Auswirkungen haben. Es sei mit «sehr schweren wirtschaftlichen Folgen für das betroffene Land zu rechnen», heisst es auf einem Merkblatt des Zentrums für Fisch- und Wildtiermedizin der Universität Bern. Laut dem Bund stellt die Schweinepest «ein Risiko für die gesamte Schweinepopulation in der Schweiz» dar. Beim Schweizer Bauernverband ist man denn auch besorgt, wie Martin Rufer, Leiter des Geschäftsbereichs Viehwirtschaft, sagt: «Der Ausbruch der Krankheit wäre für den Sektor gravierend.» Das Gesetz besagt, dass alle Schweine auf einem Hof geschlachtet werden müssten, wenn auch nur ein Tier vom Virus befallen wird. «Für die betroffenen Betriebe wäre das wirtschaftlich dramatisch», sagt Rufer. Nicht auszuschliessen sei zudem, dass bei einem Ausbruch der Krankheit der Konsum von Schweinefleisch im ganzen Land zurückgeht – auch wenn sie für die Menschen eigentlich nicht gefährlich ist.

Jäger müssen aufpassen

Wichtig ist laut Marie-Pierre Ryser von der Universität Bern nun, dass auch die breite Bevölkerung sensibilisiert wird auf die Gefahren der Schweinepest. «Die Leute müssen wissen, dass sie beispielsweise keine Fleischwaren aus den betroffenen Ländern in die Schweiz mitnehmen sollten», sagt die Expertin. Der Bund weist darauf hin, dass auch Jagdreisen in diese Länder riskant sein können, weil Jagdgeräte, Stiefel, Kleider oder Jagdtrophäen kontaminiert werden könnten. Nebst dem Früherkennungsprogramm informiert der Bund darum auch intensiver – etwa mit Plakaten und Merkblättern. Um eine Einschleppung der Seuche in die Schweiz zu verhindern, brauche es die Mithilfe aller, so das BLV.


Anzeige: