Auf «Sion 2026» wartet grosse Konkurrenz

WINTERSPIELE ⋅ Sollte sich der Bundesrat entscheiden, ein Olympia-Dossier einzureichen, müsste sich die Schweiz mit anderen potenten Bewerbern messen. Vielleicht auch mit dem Tirol.
13. Oktober 2017, 07:31

Der Bundesrat hat am Mittwoch über eine Schweizer Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2026 lediglich beraten. Zu einem Entscheid kam er nicht. Zu komplex sei das Dossier, es gehe um viel Geld, begründete er die Verzögerung. Die Kosten für das Grossprojekt dürften rund 1,9 Milliarden betragen.

Entscheidet sich der Bundesrat an einer der kommenden Sitzungen schliesslich doch noch, das Dossier «Sion 2026» einzureichen, müsste sich die Schweizer Bewerbung mit einigen potenten Konkurrenten messen: Calgary (Kanada), Patagonien (Argentinien), Erzurum (Türkei) und das für 2022 an Peking gescheiterte Almaty (Kasachstan) wollen sich ebenfalls bewerben. Ob allenfalls auch noch Innsbruck/Tirol dazukommt, entscheidet sich an diesem Sonntag.

Kleinere Spiele in Innsbruck

«Soll das Land Tirol ein selbstbewusstes Angebot für nachhaltige, regional angepasste sowie wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Olympische und Paralympische Winterspiele in Innsbruck-Tirol 2026 vorlegen?» So lautet die Abstimmungsfrage, die die Tiroler am Wochenende, also parallel zur Nationalratswahl, beantworten sollen. Stimmberechtigt sind «österreichische Staatsbürger, die in der Stimmliste einer Tiroler Gemeinde aufscheinen, weil sie dort ihren Hauptwohnsitz haben.» Zur Abstimmung stehen die olympischen Winterspiele 2026, die laut Machbarkeitsstudie auf sieben Grundsätzen basieren: lokale Rahmenbedingungen vor internationalen Anforderungen, umweltfreundliche und nachhaltige Planung, konservative Kostenkalkulation und Kontrolle von Beginn an, kleinere Spiele mit Innsbruck als Zentrum, Nutzung bestehender Wettkampfstätten, kein olympiabedingter Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, olympisches Dorf auf bereits geplantem städteplanerischem Bauprojekt in Innsbruck.

In Tirols Landesparlament hat die mögliche Bewerbung nur wenige Tage vor der Volksbefragung zu einer lebhaften Debatte geführt. Die meisten Fraktionen sprachen sich schliesslich für den Grossanlass aus. Die Grünen hielten sich indes bedeckt. Nur die oppositionelle Liste Fritz, gegründet 2008 von Fritz Dinkhauser, einem Olympiagegner mit Jahrgang 1940, der zweimal aktiv bei Olympischen Spielen dabei war, sprach sich dezidiert dagegen aus.

Kritik am «politischen Grössenwahn»

Die Gegner sind der Ansicht, die vierten Olympischen Spiele in Innsbruck und Tirol nach jenen von 1964, 1976 sowie den Weltjugendspielen 2012 seien «politischer Grössenwahn» mit enormen finanziellen und ökologischen Belastungen.

Finanziell bessergestellte Mitbewerber in den Nachbarländern hätten bereits Nein zu Olympia gesagt. So «Graubünden mit der renommierten Tourismusdestination St. Moritz 2013 und 2017, ebenso München mit Garmisch-Partenkirchen 2013». Tirol sei heute «das Land mit den meisten Wintersportevents Europas», wobei die menschlichen und finanziellen Grenzen ausgereizt und die Belastung für die Natur überreizt seien. Die Meinung der Innsbrucker zu Olympia wird nicht zum ersten Mal erfragt: Im Oktober 1993 beteiligten sich 45 Prozent der Stadtbewohner an einer Befragung, 73,5 Prozent votierten gegen eine olympische Kandidatur. Im März 1997 gingen überhaupt nur noch 36 Prozent der Innsbrucker abstimmen, von ihnen wiesen 52,6 Prozent die Olympia-Pläne neuerlich zurück.

Richard Clavadetscher


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