Burkagegner verärgern Schwinger

INITIATIVE ⋅ Die Initiative für ein Burkaverbot steht auf Messers Schneide. Jetzt rufen die Initianten dazu auf, an Schwingfesten Unterschriften zu sammeln. Der Eidgenössische Schwingerverband wehrt sich.
02. September 2017, 09:30

Kari Kälin

kari.kaelin@luzernerzeitung.ch

Das Egerkinger Komitee um den Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann hat für heute Samstag zu einem nationalen Sammeltag aufgerufen. Damit die Initiative für ein Burkaverbot doch noch zustande kommt – die Sammelfrist läuft am 15. September ab -, sollen all jene, denen ein Verhüllungsverbot am Herzen liegen, «Unterschriften sammeln an Schwingfesten, auf dem Markt, auf der Strasse oder an politischen Anlässen und und und!»

Gar nicht begeistert über diesen Aufruf ist Rolf Gasser. Der Geschäftsführer des Eidgenössischen Schwingerverbandes sagt: «Ein Schwingfest ist keine politische Veranstaltung. Man darf den Sport nicht verpolitisieren.» An diesem Wochenende finden zum Beispiel am Samstag der Bechtel Schwinget im Kanton Zürich und am Sonntag der Allweg Schwinget in Ennetmoos NW statt. Gasser geht davon aus, dass die Veranstalter allfällige Sammeltätigkeiten von Burkabekämpfern unterbinden würden.

Gasser, selber SVP-Mitglied und politisch aktiv als Gemeinderat im bernischen Ersigen, beruft sich auf die Statuten des Eidgenössischen Schwingerverbandes. Sie besagen, dass der Verband politisch und konfessionell neutral ist. Demzufolge ist es zum Beispiel verboten, aktive politische Werbung zu betreiben. Dazu gehöre auch eine Unterschriftensammlung für eine Initiative an einem Schwingfest, sagt Gasser.

Anian Liebrand ist Mitglied im Initiativekomitee für das Verhüllungsverbot. Der ehemalige Präsident der Jungen SVP Schweiz zeigt Verständnis für Gasser. «Ich kann nachvollziehen, dass er Politik und Sport trennen will.» Für Liebrand ist klar: Wenn an einem Schwingfest Unterschriften gesammelt werden, soll das so geschehen, dass der Ablauf der sportlichen Veranstaltung nicht gestört wird. «Unsere Unterstützer würden nicht auf dem Areal selber in Erscheinung treten, sondern im Umfeld davon, zum Beispiel auf Parkplätzen».

Rund 75'000 beglaubigte Unterschriften

Das Zustandekommen der Initiative für das Burkaverbot steht auf der Kippe. Bis jetzt haben die Initianten zwar rund 115'000 Unterschriften beisammen, beglaubigt sind aber erst 75'000 der nötigen 100'000. Zahlreiche Unterschriften sind ungültig, das Egerkinger Komitee strebt ein Polster von rund 120'000 Unterschriften an. «Es braucht noch einmal einen Sondereffort», sagt Liebrand.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Eidgenössische Schwingerverband gegen die Vereinnahmung des traditionellen Sports durch die Politik wehrt. Im Vorfeld des Unspunnen-Festes hatte Rolf Gasser in einem Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag» gesagt, der Schwingerverband habe deswegen schon Politiker schriftlich verwarnt. Zum Beispiel Peter Föhn. Der Schwyzer SVP-Nationalrat hatte im Z usammenhang mit der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative gegenüber de m  «Boten der Urschweiz»   gesagt, man könne mit ein paar Landwirten oder Schwingern und Traktoren die Nord-Süd-Achse und d amit den Lebensnerv der EU-Wirtschaft lahmlegen. Föhn sagte dem «Boten», die Kritik sei grundsätzlich richtig. Schwingen und Politik seien tatsächlich zu trennen.

Anzeige: