Die CVP geht auf Distanz zur FDP

WAHLKAMPF ⋅ Um Wähler zu gewinnen, markiert die CVP Distanz zu der FDP. Vizepräsidentin Ida Glanzmann erklärt, warum die CVP sich ausgerechnet an ihrer traditionellen Verbündeten reibt.
13. August 2017, 04:38

Interview: Fabian Fellmann

Ida Glanzmann, die CVP Schweiz will sich erneuern, am Parteitag Ende August wird das Projekt CVP 2025 vorgestellt. Wohin geht die Reise?

Wir wollen unser Profil schärfen. Unsere Kernwerte wollen wir bei unseren Kernthemen stets betonen. Und wir zeigen mit CVP 2025 Visionen und Ideen für unsere Partei auf. Wir sind eine konservative und ebenso soziale Partei.

Zum Beispiel?

Wir sind für Souveränität und Offenheit: Das ist wichtig für die Diskussion mit der EU über die Bilateralen. Solidarität ist uns bei der Altersreform wichtig. Im Gesundheitswesen verlangen wir einen Kostenstopp.

Schwierig dürfte der Positionsbezug für die CVP bei der Ehe für alle sein.

Dieses Beispiel wird in der CVP Diskussionen geben. Der konservative Flügel wird auf der traditionellen Ehe bestehen, der soziale Flügel wird offener sein. Das ist keines unserer Kernthemen, und solche Meinungsunterschiede muss unsere Partei aushalten.

Die CVP will ihr Profil schärfen. Von welcher Partei wird sie sich abgrenzen?

Die CVP will sich stärker abgrenzen von der FDP. Wir arbeiten viel mit den Freisinnigen zusammen. Aber gerade bei Diskussionen über Werte merken wir zunehmend, dass wir weit auseinanderliegen. In sozialen und Familienfragen teilen wir die Position häufiger mit der SP, wir haben zum Beispiel bei der Altersvorsorge mit ihr zusammengearbeitet. In Wirtschafts- und Sicherheitsfragen hingegen finden wir uns oft mit der SVP.

Damit gehen Sie ausgerechnet zum traditionellen bürgerlichen Partner der CVP auf Distanz.

Wir werden weiter mit der FDP zusammenarbeiten, gerade in den Kantonen. Aber wir wollen auch, dass die Wähler uns als CVP wahrnehmen und nicht als Schwester einer anderen Partei, sicher nicht der FDP. Die Bundespolitik wird bei den Wählern stark wahrgenommen. Darum wollen wir aufzeigen, wo wir Differenzen haben zu anderen Parteien.

Wo will die CVP mit der Abgrenzung von der FDP Wähler gewinnen?

Mit dem geschärften Profil wollen wir klar mehr Wähler abholen. Vor allem ältere Menschen sind mit der FDP oft nicht einverstanden, weil ihnen Werte wichtig sind. Viele junge Menschen können sich mit den wirtschaftsliberalen Positionen der FDP nicht identifizieren und finden in der CVP jene Partei, die ihre Werte vertritt. In den Stammlanden hilft uns, dass wir eine konservative Partei sind. Und in urbanen Gebieten kommt unsere soziale Seite stärker zum Tragen.

Bei allen kantonalen Wahlen seit 2015 hat die CVP Sitze oder Wähleranteile verloren. Bis wann muss Parteipräsident Gerhard Pfister die Kehrtwende schaffen?

Wir konnten in Solothurn den Wähleranteil steigern und in Neuenburg gar einen Sitz gewinnen. Bis zu den eidgenössischen Wahlen 2019 müssen wir noch einige kantonale Wahlen bestehen. Das sind erste Tests für die Parteileitung, und 2019 wollen wir auf nationaler Ebene Wähleranteile gewinnen.

CVP-Vertreterin Doris Leuthard will bis im Jahre 2019 aus dem Bundesrat zurücktreten. Ist das eine willkommene Gelegenheit für die Partei, sich mit den Kandidaten für die Nachfolge zu profilieren?

An fähigen Frauen und Männern mangelt es in der CVP nicht. Ich bin überzeugt, dass einige schon in den Startlöchern stehen und sich in den nächsten Monaten vermehrt zu Wort melden werden. Das gibt einen Aufschwung für die Partei und verschafft auch Medienpräsenz. Diese Aufmerksamkeit ist gut für eine Partei.

Wie gross wird der Druck sein, dass die CVP wieder eine Frau ins Rennen um einen Bundesrat schickt?

Frauenkandidaturen dürfen keine Alibikandidaturen sein. Bei der CVP haben immer wieder Frauen die Führung übernommen, und wir haben sehr viele kompetente und fähige Frauen. Ich bin sicher, dass die CVP eine Frauenkandidatur präsentieren wird. Bisher hatte die CVP immer sehr gute Frauen, auch im Bundesrat. Für uns wird das Ziel sein, den Besten oder die Beste in den Bundesrat zu wählen. Für den Moment ist unsere Bundespräsidentin Doris Leuthard noch am Ruder und macht einen exzellenten Job.

Hinweis

Ida Glanzmann (58) sitzt seit 2006 für den Kanton Luzern im Nationalrat. Bereits seit 2001 ist sie Mitglied des Präsidiums der CVP Schweiz, seit 2008 als Vizepräsidentin der Partei.


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