Kommentar

Die Postchefin hat zu lange weggeschaut

Bundeshausredaktor Roger Braun über die Trickserei der Postauto AG.
06. Februar 2018, 22:12

Nun auch das noch. Als ob die Post ihr Image mit ihrem rasanten Abbau der Poststellen nicht schon genug besudelt hätte, kommt zusätzlich ein Subventionsskandal hinzu. Ausgerechnet ein Bundesbetrieb erschwindelt sich über Jahre Staatsbeiträge, indem er Bund und Kantone vorgaukelt, keine Gewinne im Regionalverkehr zu machen – im Verborgenen aber die Profite in eine andere Sparte verschiebt: ein beispielloser Vorgang.

Der Post ist zugute zu halten, dass sie nun reinen Tisch macht und die Führungsetage der Postauto AG ausgewechselt hat. Auch die Ankündigung, die 78 Millionen Franken an Bund und Kantone zurückzubezahlen, ist positiv zu werten. Offene Fragen bleiben indes. Zum Beispiel: Wie kann es passieren, dass beim Mutterkonzern niemand gemerkt hat, dass die Tochter seit Jahren den Staat über den Tisch zieht? Konzernchefin Susanne Ruoff will erst im November 2017 von den Vorgängen erfahren haben. Wenn dem so ist, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob sie ihren Betrieb im Griff hat. Schliesslich steht sie seit fünf Jahren an der Konzernspitze.

Wo Fehler passiert sind und wer was zu welchem Zeitpunkt wusste, muss eine interne Untersuchung der Post klären. Auch das Bundesamt für Verkehr prüft richtigerweise eine Strafanzeige. Die Postauto-Affäre dürfte gestern erst gerade begonnen haben.

Roger Braun

roger.braun@luzernerzeitung.ch


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