Meinung

Donald Trump und der Geist von Davos

WELTWIRTSCHAFTSFORUM ⋅ ZaS-Redaktionsleiter Dominik Buholzer über den bevorstehenden Besuch des US-Präsidenten in Davos.
14. Januar 2018, 05:00

Bis am Dienstag war die Welt in Davos noch in Ordnung. Dann machte die Nachricht die Runde, dass US-Präsident Donald Trump (71) ans Weltwirtschaftsforum (WEF) kommen wird, das heuer von 23. bis 26. Januar über die Bühne geht. Und seither herrscht im Landwassertal helle Aufregung. Laut Ernst «Aschi» Wyrsch wird der Besuch von Trump Davos «dramatisch berühren»: «Es wird alles hoch zehn sein!», sagte er gegenüber dem «Blick». «Das Medien­spektakel, das sich hier abspielen wird, wird sogar das von Clinton in den Schatten stellen.» Wyrsch hat zumindest Erfahrung im Umgang mit amerikanischen Präsidenten. Vor 18 Jahren hat der einstige Hotelier Bill Clinton sein Bett überlassen, als dieser in seiner Amtszeit dem WEF seine Auf­wartung machte.

Auf jeden Fall wird man in Davos die Sicherheitsbestimmungen nochmals anpassen, sprich verschärfen müssen. Und sonst? Soll man sich über die Kurzvisite des US-Präsidenten freuen oder ärgern? Nicht einmal die Globalisierungsgegner erwecken den Eindruck, als scheinen sie sich in dieser Frage einig zu sein. Zumindest gibt ihnen Trump wieder einmal einen Grund, um auf die Strasse zu gehen und gegen das WEF zu demonstrieren. In den vergangenen Jahren schienen sie ja in einen kollektiven Winterschlaf zu verfallen. Nicht einmal der Auftritt von Chinas Staatschef in Davos vor einem Jahr bot genügend Projektionsfläche für Empörung. Bei Xi Jinping handelt es sich immerhin um den zweitmächtigsten Mann.

Sicher ist auf jeden Fall: Trump wird das WEF prägen. Das beschert nicht nur dem Anlass in den Bündner Bergen zusätzliche Aufmerksamkeit, sondern auch Trumps «America first»-Politik. Überhaupt ist erstaunlich, dass ein Präsident, dessen Wirtschaftspolitik vor allem auf Protektionismus beruht, das WEF nutzen will, um seine Politik mit anderen Staatschefs zu diskutieren. Erklärungsbedürftig ist bei Trump einiges und fraglich sowieso vieles. Seine jüngste verbale Entgleisung, als er die afrikanischen Staaten gegenüber Parlamentariern als «Dreckslöcher» bezeichnet hat, ist leider nur die Spitze des Eisbergs. Bleibt zu hoffen, dass der viel beschworene Geist von Davos positiven Einfluss auf Trump haben wird.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch


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