Kopf des Tages

Hotelbesitzerin Monique Werro verhängt ein Burkaverbot

BRIENZ ⋅ Monique Werro beherbergt nur Gäste, die ihr Gesicht zeigen – zum Wohl der zwangsverschleierten Frauen, sagt die Hoteldirektorin aus Brienz.
16. September 2017, 04:40

Der Blick schweift auf den Brienzersee, weiter zum Faulhorn und der Axalp. Die Gartenterrasse im Seehotel Bären in Brienz bietet eine fantastische Aussicht. Seit 25 Jahren führt Monique Werro (78) den Betrieb im Berner Oberland zusammen mit ihrer Tochter. Die schöne Kulisse ist auch bei den immer zahlreicher werdenden Gästen aus arabischen Ländern beliebt. Im «Bären» müssen sie seit vorletztem Frühling aber neue Regeln befolgen. «Dürfen wir Sie bitten, unsere Sitten und Traditionen zu respektieren: Wir zeigen unser Gesicht unverhüllt», heisst es zur Begrüssung. Ein privates Burkaverbot also. Schliesslich gebe es im Koran keine konkrete Grundlage für die Verschleierung der Frau.

Auch Werro hat ihren Beitrag dazu geleistet, dass das Egerkinger Komitee um den Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann der Bundeskanzlei gestern 106 600 beglaubigte Unterschriften für ein nationales Verhüllungsverbot übergeben konnte. Die Hotelière legte in ihrem Betrieb Unterschriftenbögen auf und ermunterte Freunde, das Anliegen zu unterzeichnen. Werro wuchs in einer Zeit auf, als Frauen nicht abstimmen durften. Ohne den Segen des Gatten war es etwa nicht möglich, ein Bankkonto zu eröffnen. Umso stärker irritiert es sie, dass hierzulande der feministische Aufschrei gegen zwangsverschleierte Frauen weitgehend ausbleibe. Sie ärgert sich, dass die Initiative für das Verhüllungsverbot zum Teil als islamophob diskreditiert werde. Werro lässt sich tatsächlich schlecht in die fremdenfeindliche Ecke schieben. In ihrem Betrieb arbeiten Personen aus 15 Nationen und sechs Religionen. Werro hat schon abgewiesene Asylbewerber, die bei ihr tätig waren, vor der Ausschaffung bewahrt. Zuletzt war das ein irakischer Kurde, der schon am Flughafen Zürich war, ehe Werro erfolgreich bei den Behörden intervenierte.

Werro betrachtet ein Verhüllungsverbot als frauenfreundliche Geste. Sie erzählt die Geschichte einer Frau aus Saudi-Arabien, die, begleitet von ihrem Ehemann in westlich-lockerer Kleidung, ihren Nikab, eine Vollverschleierung mit Sehschlitz, abgelegt und ihr bildhübsches Gesicht gezeigt habe. «Sie hat mich angestrahlt.» Ihr Mann akzeptierte die Kleiderordnung. Wenig begeistert über die nun zu Stande gekommene Initiative zum Burkaverbot ist die Tourismusbranche. Von Reisebüros aus dem arabischen Raum habe Interlaken Tourismus bereits die Rückmeldung erhalten, dass arabische Touristen das Berner Oberland im Fall einer Annahme der Initiative vielleicht meiden würden, sagt Alice Leu, Sprecherin von Interlaken Tourismus. Die Besorgnis kommt nicht von ungefähr. Der Anteil der Übernachtungen von Gästen aus arabischen Ländern ist in Interlaken in den letzten Jahren auf 14 Prozent gestiegen.

Sie behaupte nicht, keine Einbussen erlitten zu haben, sagt Werro. Geld sei aber nicht alles, sagt sie. Und: «Wir müssen unseren Schwestern, die zum Tragen des Nikabs oder der Burka, dieser schrecklichen, gesichtslosen Gefängnissäcke, verknurrt sind, beistehen und unsere demokratischen Traditionen hochhalten.»

 

Kari Kälin


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