Happy End für die Älpler

DIGITALISIERUNG ⋅ Weil die Swisscom auf Internet-Telefonie umstellt, drohte 150 Alpbetrieben und einer Reihe von SAC-Hütten ab nächstem Jahr Funkstille. Diese Gefahr wurde nun mit einer Vereinbarung abgewendet.
17. September 2017, 07:22

Eva Novak

Das Horrorszenario hat sich im Frühsommer von den Bergen bis hinunter ins Bundeshaus verbreitet: Älpler und SAC-Hüttenwarte würden durch den Fortschritt in die Vergangenheit zurückkatapultiert. Die Erschliessung abgelegener Berggebiete, eine der grossen Errungenschaften des vergangenen Jahrhunderts, werde rückgängig gemacht.

Grund für die Aufregung war die Swisscom, die ab kommendem Jahr die analogen Telefonanschlüsse abschafft und auf Internet-Telefonie umstellt. Anders als die herkömmliche Verbindung funktioniert die neue nur mit Strom. Und dieser fehlt auf zahlreichen abgelegenen Alpen, seien es nun Sommerungsbetriebe oder SAC-Hütten.

Älper sollten selber für den Strom sorgen

Nun ist die Swisscom zwar verpflichtet, die Grundversorgung mit Telefonanschlüssen sicherzustellen. Für den nötigen Strom zu sorgen, gehört aber nicht zu ihrem Auftrag. Das sei Sache des Älplers; für den Notfall eigne sich ein Satellitentelefon, beschied Bundesrätin Doris Leuthard dem Berner SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal.

Dieser hatte sich als Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbandes (SAV) in der Sommersession per Vorstoss erkundigt, wer denn die Kosten übernehme. Ein Telefon sei überlebenswichtig, etwa wenn ein Alpbetrieb im Notfall den Tierarzt holen müsse: «Es kann nicht sein, dass die einfach von der Umwelt abgeschnitten werden, weil die Technologie der Telefonie geändert wird.»

Rechtzeitig zum Alpabzug folgt nun das Happy End. SAV und Swisscom haben am vergangenen Dienstag im Bundeshaus einen Vertrag unterzeichnet, wonach das Telecom-Unternehmen den Älplern Mittel zur Verfügung stellt, um Solarpanel oder andere Stromquellen zu installieren. Betroffen sind rund 150 Hütten in der Schweiz, welche weder über Mobilfunk noch über ausreichend Strom verfügen.

«Wir sehen das auch als Beitrag an die Swissness», sagt Stefan Kilchenmann, Leiter Public Affairs bei der Swisscom. Von einem «Signal an die Alpbetriebe, dass diese im Zuge des technologischen Fortschritts weiter vernetzt bleiben», spricht der Walliser CSP-Nationalrat Thomas Egger, der als Direktor der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete die Lösung vermitteln half.

Noch nichts unterzeichnet hat der Schweizerische Alpenclub (SAC). Nicht etwa, weil man sich mit der Swisscom nicht geeinigt hätte, wie der Hütten-Verantwortliche Bruno Lüthi sagt. Sondern weil der SAC zuerst herausfinden muss, wie viele seiner 152 offiziellen und 50 von den Sektionen betriebenen Hütten betroffen sind. Das tut er jetzt schleunigst. Vor allem wegen der Kommunikationssicherheit, so Lüthi: «Schliesslich sollen die SAC-Hütten auch Schutz bieten für Berggänger, die ein Problem haben.» Und das geht nur mit Telefon.


Leserkommentare

Anzeige: