Hooligans prügeln abseits der Stadien

FUSSBALL ⋅ Getrennte Fan-Sektoren, Kameras, Stadionverbote: Um Gewalt in Fussballstadien zu verhindern, haben die Verantwortlichen in den letzten Jahren aufgerüstet – durchaus mit gewissem Erfolg. Doch nun verlagert sich die Gewalt zunehmend auf ausserhalb der Stadien.
03. Dezember 2017, 04:38

Diese Woche kam es in Zürich zu einem bemerkenswerten Vorfall: GC-Fans spielten in einer Turnhalle Fussball, als 20 bis 30 Vermummte – vermutlich FCZ-Fans – hineinstürmten und sie attackierten. Zehn Männer wurden verletzt. FCZ und GC verurteilten die Gewalt in der Fanszene in einer gemeinsamen Stellungnahme. Es war bereits die zweite dieser Art innert kurzer Zeit. Allein das zeigt: Es ist eine Entwicklung im Gang, die Gewalt hat eine neue Dimension erreicht. Laut GC und FCZ verlagern sich die Gewalt­taten immer mehr auf Standorte weit ausserhalb des Stadions.

Das ist nicht nur in Zürich so. Der Leiter der schweizweiten Polizeilichen Koordinationsplattform Sport, Markus Jungo, beobachtet ebenfalls eine Verlagerung: In den Stadien komme es zu weniger Gewalt. Dies sei auch der strikten Trennung der Fans zu verdanken, ebenso der Videoüberwachung in den Stadien. «Auseinandersetzungen finden nun vermehrt auf der An- und Rückreise sowie im näheren Umfeld der Stadien statt», konstatiert er. Und: Die Gewaltbereitschaft bei gewissen Ultragruppierungen habe zugenommen.

Fast 1600 Hooligans sind registriert

In der Hooligan-Datenbank des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) schlagen sich diese Entwick­lungen nicht nieder. Gemäss den neusten Angaben sind dort fast 1600 Personen registriert; die Zahl veränderte sich zuletzt kaum. Fedpol-Sprecherin Cathy Maret sagt: «Die Gewalt an Sportveranstaltungen ist seit mehreren Jahren auf hohem Niveau stabil.»

Das Fedpol führt auch eine Liste mit den Vorfällen, die sich im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen in den zwei obersten Fussball- und Eishockey-Ligen ereignen. Nicht erfasst werden laut Maret aber Schlägereien zwischen Fans, die nicht in Verbindung mit einem Spiel stehen. Diese gehen unter dem Radar des Fedpols durch. (mjb)


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