Kommentar

Im Zweifel gegen Verbote

Roger Braun zur die Absicht des Nationalrats, Alkoholverkauf entlang der Autobahnen zu erlauben.
14. Juni 2017, 07:11

Auf den Schweizer Autobahnen gibt es keinen Alkohol zu kaufen. Seit über 50 Jahren gilt das Verbot auf Autobahnraststätten. Nun will es der Nationalrat abschaffen, wie er am Dienstag entschieden hat. Die Gegner reagieren entrüstet. Sie warnen davor, dass damit die Zahl der Autobahnunfälle deutlich ansteigen wird.

Diese Befürchtungen sind übertrieben. In den letzten 20 Jahren hat sich die Einstellung gegenüber Alkohol am Steuer stark verändert. Nur noch wenige Unverbesserliche setzen sich betrunken ans Steuer, zum Beispiel nach einem feuchtfröhlichen Abend in der Stammbeiz. Kaum aber werden sie sich mit Kollegen in einer Raststätte treffen, um sich der Geselligkeit hinzugeben und einen über den Durst zu trinken. Das entspricht nicht dem Profil von Autobahnraststätten. Bei den typischen Käufern von Alkohol auf Raststätten dürfte es sich vielmehr um Beifahrer oder Teilnehmer von Gruppenreisen handeln. Wer sich dagegen nach einem Halt wieder hinters Steuer setzen muss, wird aus Angst vor einem Unfall oder einer Strafe kaum übermässig trinken, nur weil der Alkohol auf den Raststätten neuerdings verfügbar ist.

«Gelegenheit macht Diebe», sagen die Suchtfachverbände nicht zu Unrecht. Doch wer diesen Grundsatz ernst nimmt, kann den Alkohol gleich im ganzen Land verbieten. Ein freiheitlicher Staat kann nicht anders, als sich auf die Selbstverantwortung der Bürger zu stützen. Wer betrunken Auto fährt, gefährdet andere Verkehrsteilnehmer und gehört hart bestraft. Verkaufseinschränkungen mit zweifelhafter Wirkung hingegen sind unnötig bevormundend. Das Verkaufsverbot ist fehl am Platz.

Roger Braun

roger.braun@luzernerzeitung.ch


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