Kabarettist Michael Elsener landet No-No-Billag-Hit

MEDIEN ⋅ Im Kampf um die Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Jetzt erhalten die No-Billag-Gegner überraschenden Support von Michael Elsener. Kann dessen Engagement matchentscheidend sein?
06. Januar 2018, 05:00

Kari Kälin

Die Debatte hat früh eingesetzt, sie verläuft gehässig, entlang klar abgesteckter Fronten: Hier die No-Billag-Initianten, welche die Bürger mit der Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren von der SRG befreien wollen. Dort die Gegner, die bei einem Ja am 4. März die SRG einstürzen, die Demokratie wackeln und den Landeszusammenhalt zerbröseln sehen. Das vorläufige Zwischenergebnis des bis jetzt weitgehend vorhersehbaren Argumentenschlagabtauschs: 51 Prozent sind laut einer Umfrage von «20 Minuten» für und 45 Prozent gegen die Initiative. Der Rest ist noch unentschlossen.

Die Gegner wollen diesen Rückstand wettmachen. Gestern ist das Komitee «Nein zum Sendeschluss» vor die Medien getreten. Pedro Lenz nannte die No-Billag-Initiative als Beispiel für den «Verlust des Gemeinschaftsinns, der mit der Zersetzung der Gesellschaft einhergeht». Die grösste Breitenwirkung erzielt – zumindest in sozialen Medien – haben bis jetzt aber nicht der besorgte Schriftsteller und andere prominente Kulturschaffende, die sich für die SRG ins Zeug legen. Vielmehr hat der Zuger Kabarettist Michael Elsener, bekannt als Imitator von hiesigen Bundesräten, Roger Federer oder Christa Rigozzi, ganz aus eigener Motivation und ohne Absprache mit Polit- oder Kampagnenbüros, einen Videohit gelandet. Am 24. Dezember hat er auf seiner Facebookseite einen gut achtminütigen Beitrag aufgeschaltet, in dem er sich auf witzig-unterhaltsame Weise mit der No-Billag-Initiative auseinandersetzt und ein Nein empfiehlt. Rund 400'000 Personen haben das ­Video bis gestern angeklickt. Es hat, quasi als unerwartetes Weihnachtsgeschenk für die Gegner, virale Verbreitung gefunden.

Initianten reagieren gelassen

Elsener spart nicht mit Kritik an der SRG, nimmt «Happy Day» und andere Sendungen aufs Korn, kommt zum Schluss, die SRG brauche «dringend ein paar innovative Handwerker». Gleichzeitig warnt er davor, die SRG ganz abzureissen, weil es niemandem nütze, das einzige Medienunternehmen abzuschaffen, das wenigstens von Gesetzes wegen zu einer ausgewogenen Berichterstattung verpflichtet sei. Hat der 32-jährige Elsener, der an der Uni Zürich Politikwissenschaft studiert hat, diesen Erfolg erwartet? «Es ist immer schön zu sehen, dass die Themen, die mich beschäftigen, auch anderen wichtig sind», sagt Elsener. Er kommentiert seit geraumer Zeit das aktuelle Politgeschehen mit dem Anspruch, relevante Fakten aus kabarettistischem Blickwinkel unterhaltsam darzustellen. Die Reaktionen auf den No-Billag-Beitrag fielen grösstenteils positiv aus. Es kommt vor, dass ihm Menschen auf der Strasse spontan dazu gratulieren.

Kampagnenexperte Daniel Graf glaubt sogar, dass Elseners Beitrag matchentscheidend sein kann, falls es zu einem knappen Resultat kommt. «Elsener spricht auch Leute an, die vielleicht nicht an der Abstimmung teilnehmen würden und an denen eine ­konventionelle Kampagne vorbeizieht. Seine Botschaft ist glaubwürdig, da sie nicht von einer bestimmten politischen Interessengruppe gesteuert ist.»

Mit Elseners Klickzahlen können die No-Billag-Initianten nicht mithalten. Mit gut 60000 Aufrufen der populärste Beitrag ist die Pro-No-Billag-Rede von Nationalrat Lukas Reimann (SVP, SG) im Parlament. Silvan Amberg vom No-Billag-Initiativ-Komitee reagiert gleichwohl gelassen auf Elseners Erfolgsvideo. «Er vermag vielleicht eine neue Zielgruppe zu mobilisieren, wird aber nicht dafür sorgen, dass Befürworter ins Gegner-Lager wechseln», sagt er. Sarah Bütikofer, Politikwissenschafterin an der Uni Zürich, teilt diese Einschätzung. Es gebe wenig gesicherte empirische Erkenntnisse über den Einfluss von sozialen Medien auf die Politik in der Schweiz. Es sei entsprechend schwierig, Elseners Einfluss auf die Abstimmung abzuschätzen. Dass jemand deswegen aufgrund eines einzigen Videobeitrags seine gefestigte Meinung ändere, sei eher unwahrscheinlich, sagt Bütikofer.

Video: Michael Elsener landet No-No-Billlag-Hit

Die No-Billag-Gegner erhalten überraschenden Support von Michael Elsener. (Youtube, 6.1.2018)




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