Kolumne

Lassen Sie sich nicht völlig gehen, Herr Cassis!

Tobias Gafafer über Ignazio Cassis.
04. August 2017, 08:09

Bei der Burkhalter-Ersatzwahl scheint alles auf Ignazio Cassis hinauszulaufen. Deshalb macht sich der Tessiner bereits Gedanken über den Verlust an Lebensqualität, den ein Magistrat zu gewärtigen hat. Kann ich noch mit kurzen Hosen an ein Konzert? Diese bange Frage stellte der FDP-Kronfavorit Anfang Woche nach der Nomination.

Nun, wir erinnern uns an den Auftritt von Guy Parmelin beim Bundesratsreisli 2016. Die Erinnerung ist frisch und sie schmerzt noch immer. Spätestens seit dem Tabubruch des Verteidigungsministers, der uns einen Blick auf seine Beine gewährte, können Mitglieder der Landesregierung in Shorts aus dem Haus. Wir erlauben uns nach dem Parmelin-Schock aber, den designierten Burkhalter-Nachfolger auf einige Grundregeln hinzuweisen.

Dabei wollen wir nicht so weit gehen wie die Stilpäpste, die allzu hohe Anforderungen an die untere Extremität stellen: Die Knie sollen straff sein, die Waden muskulös, aber nicht zu stark ausgeprägt, die Haut sanft gebräunt und das Beinhaar getrimmt. Nur dann dürfe Mann seine Schenkel entblössen. Weder kennen wir Cassis’ Einstellung zum Thema Bein- rasur noch den Umfang seiner Wadenmuskulatur. Seine Hobbys («Musik und Technologie») jedenfalls deuten nicht unbedingt auf wohlgeformte Unterschenkel hin. Wie dem auch sei: Es würde der liberalen Weltanschauung dieser Zeitung widersprechen, wenn wir den mit einem unvorteilhaften Beinpaar ausgestatteten Bundesräten das Tragen von Shorts untersagen würden. Sie sollten aber zumindest bei der Wahl des Modells etwas Sorgfalt walten lassen. Das Beinkleid, das Parmelin zur Schau trug, gemahnte eher an ein Zelt. Hätte der Waadtländer auf etwas enger anliegende Hosen gesetzt, wäre sein Outfit wohl auf mehr Anklang gestossen.

Wir lassen dem besorgten Cassis folgende Botschaft zukommen: Selbstverständlich dürfen Sie in Shorts an ein Konzert. Aber lassen Sie sich bitte nicht völlig gehen! Die Kombination T-Shirt/Jackett an der Nominationsversammlung war hart an der Schmerzgrenze (Bild). Auch beim lockeren Aufritt oder eben einem Konzertbesuch kann man Haltung bewahren. Das gilt nicht nur bezüglich Kleidung, sondern auch mit Blick auf die Künstler auf der Bühne. Als Negativbeispiele müssen hier zwei Abtretende herhalten: Didier Burkhalter verehrt den Konsenspopper Bastian Baker, Doris Leuthard fühlt sich zu den Altrockern AC/DC hingezogen. Sie hingegen zählen «The Dark Side Of The Moon» von Pink Floyd zu Ihren Lieblingsplatten. Darauf lässt sich aufbauen.

Tobias Bär


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