Bürokratisch

Olympiade

03. Dezember 2017, 07:55

Zum Wesen des Parlamentariers gehört es prinzipiell, alles besser zu wissen. Das ist natürlich insofern heikel, als das gemeine Fussvolk dem gemeinen Parlamentarier seine Allwissenheit als Hochnäsigkeit auslegen könnte. Zwar ist das gemeine Fussvolk dem gemeinen Parlamentarier in der Tendenz wurst. Da das Fussvolk nun aber alle vier Jahre auch Wahlvolk ist, sieht sich der gemeine Parlamentarier allerdings doch genötigt, seine Besserwisserei zu kaschieren.

Ein probates Mittel ist hierbei die Fragestunde. Dabei stellt der gemeine Parlamentarier dem Bundesrat zwar formell eine Frage, verpackt diese aber so, dass er sowohl das Elektorat als auch die Exekutive präventiv belehrt hat. Die Antwort auf die Frage ist dann egal. Wer schon alles weiss, ist auf neue Informationen definitionsgemäss nicht angewiesen.

Besonders raffinierte Parlamentarier gehen noch einen Schritt weiter: Sie simulieren in ihren im Grunde allwissenden Fragen Bürgernähe, indem sie Unwissen vortäuschen. So hat die Baselbieter Sozialdemokratin ­Susanne Leutenegger Oberholzer diese Woche dem Bundesrat gleich in zwei Fragen zum Thema «Olympiade 2026» gestellt. Nun weiss natürlich jedes Kind, dass die gemeinte Sportveranstaltung korrekterweise «Olympische Spiele» heisst. Doch indem Leutenegger Oberholzer den Begriff falsch verwendet, stattet sie sich doch mit einer bürgernahen Ungebildetheit aus, die ihre glänzende Allwissenheit sympathisch relativiert.

Teuflisch raffiniert. Aber womöglich denkt Leutenegger Oberholzer ja tatsächlich in Olympiaden, also in Vierjahreszyklen. Von Wahl zu Wahl. Dann, wenn das gemeine Fussvolk eben dem gemeinen Parlamentarier eben nicht wurst ist. (pho.)

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