Post und SBB preschen vor

DIGITALISIERUNG ⋅ Mit der Swiss ID lancieren die SBB und die Post eine einheitliche digitale Identität. Die Stiftung Konsumentenschutz protestiert: Das sei Aufgabe des Bundes und nicht gewinnorientierter Unternehmen.
Aktualisiert: 
17.05.2017, 07:00
16. Mai 2017, 15:17

Michel Burtscher

Wer das Internet nutzt, der muss unzählige Benutzerzugänge verwalten: einen für die Bank, einen für die Versicherung, einen für jeden Onlineshop, einen für die elektronische Steuererklärung. Den Überblick über alle Passwörter zu behalten, ist eine Herausforderung. Das soll künftig alles einfacher sein. SBB und Post haben dazu zusammen die Swiss Sign AG gegründet und gestern die sogenannte Swiss ID lanciert. Das Ziel: eine einzige Identität für alle Anwendungen im Internet zu schaffen – also eine Art digitaler Pass.

Die Swiss ID soll künftig auch verwendet werden können, um Verträge digital zu unterschreiben, mit den Behörden zu kommunizieren oder elektronisch abzustimmen und zu wählen. Ein konkretes Beispiel: Wer die Steuererklärung über das Internet ausfüllt, muss heute am Schluss eine Quittung ausdrucken, unterschreiben und an die Behörden schicken – das wäre mit der Swiss ID künftig elektronisch möglich. Je nach Anwendung gibt es verschiedene Sicherheitsstufen. Der Datenschutz stehe aber immer im Zentrum, betonen Post und SBB. Welche Daten weitergegeben werden, entscheidet der Nutzer. Unternehmen und Behörden steht der Dienst ab sofort zur Verfügung. Anfragen gibt es laut den Verantwortlichen bereits. Doch das neue Angebot könnte schon bald Konkurrenz bekommen: UBS, CS und Swisscom haben angekündigt, eine eigene digitale ID entwickeln zu wollen. Möglich ist das aus heutiger Sicht. Im neuen Gesetz über die elektronische Identität, das sich momentan in der Vernehmlassung befindet, hat der Bundesrat vorgesehen, dass sich unzählige Unternehmen um eine Lizenz bewerben und eine digitale ID ausstellen können – sofern sie sich an die Auflagen halten.

Gespräche mit Konkurrenz laufen

Das läuft jedoch dem Ziel entgegen, nur noch eine einzige Identität für alle Anwendungen zu haben. Peter Kummer, CIO der SBB und Verwaltungsratspräsident der Swiss Sign AG, sagt denn auch: «Wir wollen in der Schweiz eine digitale ID für alle – so wie es auch nur einen Schweizer Pass gibt.» Gespräche mit UBS, CS und Swisscom über eine Zusammenarbeit laufen bereits. Mehr wollten die Verantwortlichen gestern nicht dazu sagen.

Doch unabhängig davon, wie diese Verhandlungen enden: Gar keine Freude an der Entwicklung hat die Stiftung Konsumentenschutz. Der Identitätsnachweis sei eine Staatsaufgabe, betont die Organisation in einer Mitteilung. «Mit der Swiss ID schaffen die beiden Grossunternehmen Fakten, noch während das geplante Gesetz mitten in der Vernehmlassung steckt.» Die Stiftung anerkennt zwar, dass das Angebot einem dringenden Bedürfnis der Konsumenten entspricht. Sie bezweifelt jedoch, dass «profitorientierte Unternehmen wie Post und SBB langfristig das für die Swiss ID nötige Vertrauen der Konsumenten» gewinnen können, heisst es in der Mitteilung weiter. Das sieht Marcel Dobler, St. Galler FDP-Nationalrat und Verwaltungsrat der Swiss Sign AG, anders: SBB und Post seien nicht irgendwelche Unternehmen, sondern beides bundesnahe Betriebe, die in der Bevölkerung bereits heute hohes Vertrauen genössen, sagt er. Der Bundesrat selbst argumentiert, dass ein staatliches System mit einem hohen Investitions- und Betriebsaufwand verbunden wäre. Dobler betont zudem, dass der Staat zu träge sei, um mit der rasanten digitalen Entwicklung mithalten zu können.

Nicht erstes ID-Projekt der Post

Für die Post ist es nicht der erste Versuch, eine digitale ID zu etablieren. Sie war beteiligt an der Entwicklung der Suisse ID, die 2010 lanciert wurde. Der Erfolg war jedoch bescheiden: Heute hat der Dienst nur gerade etwa 100000 Nutzer. Zu kompliziert und zu teuer, war das Fazit. Diesmal soll die Benutzung einfacher werden. Und vor allem: Für die Endnutzer soll die Swiss ID gratis sein. In einem ersten Schritt soll sie ab Herbst 2017 den Postportalkunden zur Verfügung stehen, 2018 folgen dann die Swiss-Pass-Kunden der SBB. Allein damit wird die neue digitale Identität bereits rund vier Millionen Nutzer haben.

Video: SwissID: eine digitale Identität für die Schweiz

Die SBB und die Schweizerische Post starten ein neues Projekt: die SwissID. Mithilfe eines digitalen Zugangs sollen sich Kunden in Zukunft auf allen teilnehmenden Internetportalen identifizieren können. (Sarah Ennemoser / SDA, 16.05.2017)




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