Protest gegen das Pyro-Urteil

ST. GALLEN ⋅ Ein Fan des FC St.Gallen, der Pyro-Gegenstände aufs Spielfeld in der Luzerner Swisspor-Arena geworfen hatte, muss ins Gefängnis. Das Urteil löst Reaktionen in Fankreisen aus – und schwebte über dem Heimspiel der Espen am Mittwochabend im Kybunpark.
10. August 2017, 12:48

Der Zufall wollte es so: Just an dem Tag, an dem das Bundesstrafgericht einen Fan des FC St.Gallen wegen Pyrowürfen in einem Spiel gegen den FC Luzern ins Gefängnis schickte, spielten die beiden Mannschaften wieder gegeneinander. Dieses Mal zwar nicht in der Luzerner Swisspor-Arena, wo sich das entsprechende Geschehen im Februar 2016 abgespielt hatte, sondern im St.Galler Kybunpark. Trotzdem schwebte das Urteil über der Partie vom Mittwochabend.

Auch der Speaker nahm Bezug aufs Urteil

Bereits kurz nach Spielbeginn hissten Anhänger im Heimsektor zwei Transparente mit einem Spruch, der nur als Reaktion auf das Urteil zu deuten war. «Ä inszenierti Hexejagd lenkt vo de wohre Problem guet ab; mir stönd für üsi Fehler grad – aber nöd für die vom Staat», war darauf zu lesen. Zudem zündeten sowohl St.Galler als auch Luzerner Fans während des Spiels mehrfach pyrotechnische Gegenstände – laut Fankreisen teils auch aus Protest gegen die Gefängnisstrafe für den fehlbaren St.Galler Anhänger.

Stadionsprecher Richard Fischbacher mahnte derweil wie gewohnt – und wie immer erfolglos -, auf solche Aktionen zu verzichten. In einer Wortmeldung nahm selbst er implizit Bezug auf das Geschehen im Februar 2016 in der Swisspor-Arena: «Mir hend gseh, was debi usechoo chönnti», sagte Fischbacher während einer Pyroaktion in der zweiten Halbzeit. Ein Luzerner Anhänger hatte im Februar 2016 wegen des Knallkörpers einen irreversiblen Hörschaden erlitten, wie das Bundesstrafgericht feststellte.
 

Daniel Walt/Tagblatt.ch

Video: Hans-Jürg Käser: «Das Urteil ist ein starkes Zeichen»

Hans-Jürg Käser, Präsident der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD), zeigt sich zufrieden mit dem Urteil gegen einen 24-jährigen Fan des FC St. Gallen, der bei einem Spiel Pyrogegenstände aufs Spielfeld warf. Das Urteil gehe in die richtige Richtung, sagte der Berner FDP-Regierungsrat. Die Freiheitsstrafe von 36 Monaten, die Hälfte davon unbedingt, sei ein starkes Zeichen. (Markus Böni/sda, 09.08.2017)



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