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Neue Zürcher Zeitung, 27. Juni 2012, 00:00

Turbulenz vor Berner Wahlen

Das Berner Stadtpräsidium ist seit zwanzig Jahren ununterbrochen in der Hand der SP. Das wird voraussichtlich so bleiben, denn der Versuch der politischen Konkurrenz, den Sitz zu erobern, hat vorerst im Debakel geendet.

dgy. Bern «On-off-Kandidaten» – so könnte man die bürgerlichen Bewerber bezeichnen, die dem jetzigen Berner Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät (sp.) das Amt abjagen sollen. Die Berner Stadtregierung, der fünfköpfige Gemeinderat, wird im kommenden November gewählt, darunter auch der Stadtpräsident. Doch wer mit welcher Unterstützung gegen Tschäppät antritt, ist nach wie vor nicht ganz klar. Die bürgerlichen und die Mitteparteien haben zum Vergnügen der Linken in den letzten Tagen ein Karussell mit auf- und abspringenden Kandidaten in Gang gesetzt, welches das Publikum ratlos und schwindlig zurückliess.

Eine Art höherer Blödsinn

Am Donnerstag preschten die Mitteparteien BDP, CVP, EVP und GLP vor und präsentierten aus dem Nichts ihre Kandidatin, BDP-Grossrätin Vania Kohli . Sie wolle antreten – allerdings nur, falls SVP und FDP auf eine eigene Kandidatur verzichten würden. Denn nur so habe eine Gegenkandidatur überhaupt Chancen, so Kohli. Diese forsche Bedingung brachte die FDP und die SVP auf die Palme: Keine 24 Stunden später vermeldeten sie, auch SVP-Grossrat Beat Schori und Alexandre Schmidt, Stadtrat und Direktor der Eidgenössischen Alkoholverwaltung, träten zur Wahl an – allerdings nur unter der Bedingung, dass auch Vania Kohli in den Ring steige. Darauf zog Kohli ihre Kandidatur zurück, worauf wiederum jene von Schmidt und Schori obsolet wurden – und so weiter.

Solch höherer Blödsinn, bei dem sich die Schlange in den Schwanz beisst, ist politisch nicht ernst zu nehmen – das realisierten übers Wochenende auch die Protagonisten selbst. Dabei wären die Chancen, das Stadtpräsidium zurückzuerobern, dieses Mal etwas besser als auch schon. Die Strahlkraft von Tschäppät nimmt ab, im Hintergrund baut die SP mit Blick auf die übernächsten Wahlen bereits seine Nachfolgerin, Nationalrätin Ursula Wyss, auf. In den Nationalrat schaffte es Tschäppät nur als Nachrückender. Nachdem das Stadtpräsidium zwanzig Jahre in der Hand der SP war, nähert sich der Zeitpunkt, zu dem sich ein Wechsel aufdrängt.

Tschäppät, Schori, Schmidt

Doch die Wahrscheinlichkeit, dass es so weit kommt, ist – Stand Dienstag Abend – klein: Am Morgen kündigten SVP und FDP an, Schori und Schmidt unabhängig von Kohli nun doch ins Rennen zu schicken. Schon der Verzicht auf eine gemeinsame Kandidatur zeigt aber, dass SVP und FDP nicht wirklich an einen Erfolg glauben. Kohli tritt voraussichtlich nicht zu den Präsidiumswahlen an. Damit liegen im Moment drei Kandidaturen – Tschäppät, Schori, Schmidt – vor. Dass man sich bei den Bürgerlichen und der Mitte doch noch auf eine gemeinsame Kandidatur einigt, scheint unwahrscheinlich. In einigen Wochen wolle man das Gespräch suchen, so die Berner FDP-Präsidentin Dolores Dana. Für Alexander Tschäppät bedeutet das: vorerst weiter ohne Halt zur Wiederwahl im Schlafwagen.

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