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AHV-Reform belastet vor allem die Jungen

ALTERSVORSORGE ⋅ Die geplante Reform "Altersvorsorge 2020" ist zwar mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein, um die Finanzierungslücke in den Schweizer Sozialversicherungen zu schliessen. Doch auch die vorgeschlagenen Massnahmen lösen nicht alle Probleme.

Dies zeigt eine Studie der Grossbank UBS. "Es sind erste Schritte auf einem langen Weg", sagte Co-Studienleiterin Veronica Weisser am Montag vor den Medien in Bern. Nach ihren Berechnungen wird die Reform das Finanzloch bei der AHV um etwa die Hälfte reduzieren - von 173 auf 82 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

In der beruflichen Vorsorge, der zweiten Säule, werden die ungedeckten Leistungsverpflichtungen um bis zu 30 Prozent verringert, käme der Bundesrat mit seinen Reformvorschlägen im Parlament und eventuell vor dem Volk durch.

Die Finanzierung der Sozialversicherungen würde mit der Reform also vorübergehend stabilisiert. Laut der Studie hat die geplante Sanierung der Altersvorsorge aber noch beträchtliches Verbesserungspotenzial: "Wenn diese Reform eines nicht ist, dann ausgewogen", sagte Weisser. Die Sanierungslasten fielen beispielsweise einseitig auf die Schultern der jungen Generation.

Junge zahlen für Alte

Dies sei vor allem darauf zurückzuführen, dass sich die Vorlage zu stark auf eine einzige Massnahme stütze. Die Mehrwertsteuererhöhung um maximal 1,5 Prozentpunkte macht gemäss der Studie fast drei Viertel der Finanzierungswirkung aus. "Diese Massnahme belastet primär die zukünftigen Generationen", sagte Weisser, Ökonomin und Vorsorgeexpertin bei der UBS.

Die Harmonisierung des Rentenalters von Frauen und Männern sowie die Neuausrichtung der Witwenrenten auf die Kinderbetreuung reduziere das Finanzloch um nur rund ein Viertel. Belastend auf die Sanierung wirkten sich zum Beispiel Massnahmen wie die Flexibilisierung des Rentenbezugs oder die Vereinfachung der Finanzflüsse zwischen Bund und AHV aus.

Auch bei der zweiten Säule seien nicht alle Massnahmen nachhaltig. Die vorgeschlagene Herabsetzung des Mindestumwandlungssatzes von 6,8 auf 6,0 Prozent verringere zwar die ungedeckten Leistungen, dürfte aber schon bald durch die steigende Lebenserwartung überholt sein.

Weitere Massnahmen angezeigt

Die UBS-Studie, die in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg im Breisgau (D) durchgeführt wurde, kommt insgesamt zum Schluss, dass die Reform die Finanzen der Sozialversicherungen "nur vorübergehend und nicht vollständig" auf eine gesunde Basis stellt.

"Um die mittel- bis langfristige Finanzierung der Altersvorsorge zu garantieren, müsste die Reform künftig durch weitere Massnahmen ergänzt werden", sagte Weisser. Beispielsweise die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung würde die Sanierungslast etwas gleichmässiger auf alle Altersgruppen verteilen.

Trotzdem müssten sich künftige Generationen auf höhere Belastungen einstellen, sagte Co-Studienautor Bernd Raffelhüschen. "Auf Dauer müssen in der Schweiz das Rentenalter und die Steuern erhöht werden, um die Finanzierung der Sozialsysteme zu ermöglichen."

SNB-Entscheid mit "dramatischen" Folgen

Am Rande der Studienpräsentation wurde die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) von vergangenem Donnerstag thematisiert. UBS-Chefökonom Daniel Kalt sprach von "dramatischen Rückwirkungen auf die Altersvorsorge".

Vor allem der derzeit geltende Negativzins verschlechtere das schon schwierige Anlageumfeld für die Pensionskassen zusätzlich. "Die Zinskurve geht weiter gegen unten, das ist schlecht."

Die Studienautoren gaben jedoch zu bedenken, dass es unmöglich vorauszusehen sei, wie hoch die Zinsen in zehn, zwanzig, dreissig Jahren sein würden. "Wir werden sehen, wie sich das einpendelt und was es für das langfristig geplante Reformprojekt bedeutet", sagte Kalt. (sda)

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