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BAFU sorgt sich um Fledermäuse

FLEDERMÄUSE ⋅ Die Mehrheit der in der Schweiz lebenden Fledermausarten ist bedroht. Von den 26 der 30 in der Schweiz nachgewiesenen Arten befinden sich 15 auf der Roten Liste. Davon sind drei Arten vom Aussterben bedroht und fünf weitere stark gefährdet.

Zudem gelten sieben Fledermausarten als verletzlich, wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) bekannt gab. Weitere sieben Arten sind potenziell bedroht.

Am stärksten gefährdet sind gemäss der am Donnerstag veröffentlichten Roten Liste diejenigen Fledermausarten, die Dachstöcke bewohnen und in reich strukturierten Landschaften jagen. Die Gefährdung entstehe meist bei Gebäuderenovationen und Eingriffen in natürliche Lebensräume.

In seinem rund 25-jährigen Bestehen habe der Fledermausschutz aber auch massgebliche Erfolge vorweisen können. So sei der Rückgang einiger Arten verlangsamt beziehungsweise gestoppt worden oder es habe sogar zur Bestandeserholung beigetragen werden können.

So sei beispielsweise bei einigen seltenen, anspruchsvollen Fledermausarten in den letzten 20 Jahren keine einzige Wochenstube - dem Ort der Jugendaufzucht - infolge von Renovationen verloren gegangen. Trotzdem: Die Bestände bestimmter einheimischer Fledermausarten können laut BAFU mit den bisherigen Bemühungen nicht nachhaltig gesichert und gefördert werden.

Meist nur ein Junges pro Weibchen und Jahr

Ein Problem bildet die im Gegensatz zu den meisten anderen Kleinsäugern ausserordentlich geringe Fortpflanzungsrate: Bei fast allen Arten bringen die Weibchen pro Jahr nur ein einziges Jungtier zur Welt, in Ausnahmefällen sind es Zwillinge. Diese geringe Fortpflanzungsrate wird mit einer hohen Lebenserwartung von bis zu 30 Jahren teilweise kompensiert.

Fledermäuse stellen in der Schweiz mit 30 nachgewiesenen Arten mehr als ein Drittel aller einheimischen wild lebenden Säugetierarten dar und sind damit von grosser Bedeutung für die einheimische Biodiversität. Alle einheimischen Fledermausarten sind denn auch bundesrechtlich geschützt.

Nahe beim Menschen

Kaum eine andere Gruppe von wild lebenden Tieren lebt in unseren Breitengraden so eng mit dem Menschen zusammen wie die Fledermäuse. Die Mehrheit der gefährdeten Arten nutzt Gebäude für Geburt und Jugendaufzucht, insbesondere im ländlichen Raum..

Sanierungen von Gebäudehüllen, Fassadenbeleuchtungen oder die Umnutzung von Dachstöcken erschweren den langfristigen Schutz dieser Kolonien und der Arten erheblich. Ausserdem jagen diese Arten hauptsächlich in reich strukturierten Landschaften - so auf extensiv bewirtschaftetem Kulturland, in Wäldern, an Waldrändern oder entlang der Ufer von Fliessgewässern und Seen.

Intensive landwirtschaftliche und waldbauliche Nutzung, Änderungen in der Raumordnung, aber auch der Einsatz von Pestiziden setzen ihnen nach wie vor zu, wie es weiter heisst. Die zunehmende Lebensraumzerstückelung durch Infrastrukturbauten wie Strassen und Eisenbahnlinien sowie Strassenbeleuchtungen erhöhe die Gefährdungssituation zusätzlich.

Der Schutz von unterirdischen Quartieren stelle ebenfalls eine grosse Herausforderung dar: Denn die Mehrheit der Fledermäuse verbringe die kalte Jahreszeit in solchen Lebensräumen wie natürlichen Höhlen und Spalten, oder aber in Kellern, Stollen, stillgelegten Tunnels und Festungsanlagen. (sda)

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