Philippe Rebord wird neuer Chef der Armee

ARMEE ⋅ Der 59-jährige Walliser Philippe Rebord wird neuer Chef der Armee. Er tritt am 1. Januar 2017 die Nachfolge von André Blattmann an. Das hat der Bundesrat am Freitag entschieden.

Aktualisiert: 
16.09.2016, 15:00

Der Bundesrat hatte Rebord letzten April bereits zu Blattmanns Stellvertreter ernannt. Damit gehörte dieser quasi von Amtes wegen zu den Favoriten im Rennen um den Chefposten. Im Auswahlverfahren setzte sich Rebord dann gegen drei Konkurrenten durch, die von der Findungskommission ebenfalls aufs Ticket gesetzt worden waren.

Es habe sich um zwei Romands zu zwei Deutschschweizer gehandelt, sagte Verteidigungsminister Guy Parmelin am Freitag vor den Bundeshausmedien. Namen nannte er nicht. Bekannt ist, dass sich auch Heeres-Chef Daniel Baumgartner als Armeechef beworben hatte. Doch Parmelins Favorit hiess Rebord. Am Freitag ernannte der Bundesrat den Walliser zum Chef der Armee.

Rebord erfülle alle Anforderungen, sagte Parmelin. Er sei innerhalb der Armee, aber auch in der Politik anerkannt und geniesse das Vertrauen des Bundesrats. Rebord sei eine ruhige, reflektierte Persönlichkeit, mit der zusammenzuarbeiten er sich freue.

Reform umsetzen

Rebord selber hielt sich bedeckt. Noch sei André Blattmann Chef der Armee, betonte er. Als grösste Herausforderung bezeichnete Rebord die Umsetzung der Armeereform WEA. Diese beginnt Anfang 2018. Blattmann tritt vorzeitig zurück, damit sein Nachfolger nicht ein angefangenes Umsetzungsprojekt weiterführen muss.

Rebord will als erstes die Schlüsselpositionen der neuen Armeestruktur besetzen. Mit der Reform wird die Armee und ihre Führungsstruktur neu gegliedert, die Truppe verkleinert und die Infrastruktur abgebaut. Gleichzeitig sollen Ausbildung, Ausrüstung und Mobilisierbarkeit verbessert werden. Dafür stehen in Zukunft 5 Milliarden Franken pro Jahr zur Verfügung.

Es handle sich um eine "ausgeglichene Reform", sagte Rebord. Sie sei von einer klaren Mehrheit des Parlaments beschlossen worden und ohne Wenn und Aber umzusetzen.

Zu den aktuellen Vorfällen in der Armee äusserte sich Rebord nicht. Doch warnte er vor Rekrutierungsproblemen: Im ersten Halbjahr 2016 gebe es 3392 Zivildienstleistende - ab 6000 pro Jahr könne die Armee personell nicht mehr ausreichend alimentiert werden. Es scheine, dass der Zivildienst zu attraktiv sei, sagte der künftige Chef der Armee.

30 Jahre Militär

Rebord ist seit über 30 Jahren Berufsmilitär. Nach dem Studium in Lausanne - Geschichte, Geographie und Französisch - trat er 1985 beim Instruktionskorps der Infanterie in die Armee ein. Nach einem Studienaufenthalt am Collège interarmées de défense in Paris wurde Rebord Stabschef der Generalstabsschulen und im Jahre 2000 Kommandant der Panzerabwehrschule in Chamblon VD.

2001 wurde er Projektleiter "Rekrutierung Armee XXI". Von 2004 bis 2008 war Rebord dann Kommandant Rekrutierung innerhalb des Personellen der Armee. Auf den 1. Januar 2009 ernannte ihn der Bundesrat zum Kommandanten der Infanteriebrigade 2 und beförderte ihn zum Brigadier. 2014 folgte die Beförderung zum Divisionär und die Ernennung zum Kommandant Höhere Kaderausbildung der Armee/Chef Stab Operative Schulung.

(Geri Holdener, Bote der Urschweiz, 16. September 2016)

Philippe Rebord heisst der neue Armeechef. Der 59-jährige ist Vater von zwei erwachsenen Töchtern. Seit dem 1. April 2016 ist der zukünftige Chef der Armee Stellvertreter von André Blattmann. Der Waadtländer wird Blattmann am 1. Januar 2017 die Nachfolge von Blattmann antreten. (Keystone, 16.09.2016)

Die Baustellen des neuen Armeechefs

Der neue Armeechef Philippe Rebord übernimmt keine leichte Aufgabe. Das sicherheitspolitische Umfeld verändert sich, die Armee selber gleicht einer Baustelle. Die grösste Herausforderung ist die vom Parlament beschlossene Armeereform.

Für deren Umsetzung wünschte sich Verteidigungsminister Guy Parmelin ausdrücklich einen neuen Armeechef. Das machte er möglich, indem er André Blattmann, der das Pensionsalter erst 2018 erreicht, eine goldene Brücke in den Ruhestand baute.

Dafür hält Rebord die Zügel nun von Anfang an in der Hand. Ihm bleibt ein Jahr Zeit für die Vorbereitungen. Am 1. Januar 2018 wird die Reform scharf geschaltet.

Der Umbau greif tief. Die Truppe wird auf 140'000 Mann verkleinert, was Tausende von Offizieren und Unteroffizieren überflüssig macht. Der Sollbestand liegt bei 100'000. So viele Angehörige der Armee sollen tatsächlich eingesetzt werden können. Auf dem Papier sind das halb so viele wie heute.

Angepasst werden auch die Kommandostrukturen. Mit viel Enthusiasmus darf Rebord nicht rechnen. Der Entscheid des Parlaments, Heer und Luftwaffe nicht dem Chef der Armee zu unterstellen, sondern unter einem Kommando Operationen zusammenzufassen, ist stark umstritten.

Rebord muss auch hinstehen, wenn sich die Armee aus Tälern und Dörfern zurückzieht. Mit dem Stationierungskonzept werden die Immobilien nämlich um rund einen Drittel zurückgefahren. Geschlossen werden drei Flugplätze, sieben Waffenplätze sowie Dutzende Schiess- und Ausbildungsplätze.

Die Umsetzung des neuen Mobilisierungskonzepts ist ebenfalls keine leichte Aufgabe. Heute ist die Armee weit von der Vorgabe entfernt, innerhalb weniger Tage 35'000 Mann ausgerüstet und einsatzbereit zu haben.

Rebord steht zudem vor der Herausforderung, jedes Jahr 5 Milliarden Franken ausgeben zu müssen. Einige der jüngeren Rüstungsvorhaben haben gezeigt, dass das gar nicht so einfach ist. Die Duro-Sanierung hat eine giftige Kontroverse ausgelöst, der Kauf israelischer Drohnen war politisch umstritten.

Den neuen Kampfjet hat das Volk abgeschossen, was hunderte Millionen Franken freisetzte. Die Bodengestützte Luftverteidigung (Bodluv) ist schon in der Projektphase gescheitert - und wieder wird erbittert um die Millionen gerungen. Bei beiden Rüstungsvorhaben wird der neue Armeechef entscheidende Schritte vorankommen und vielleicht sogar eine Abstimmung gewinnen müssen.

Der Kauf von Kriegsgerät wirft immer auch die Frage auf, wer eigentlich bekämpft werden soll. Exemplarisch ist die aktuelle Diskussion darüber, wie ein 12-cm-Mörser in einem asymmetrischen Konflikt oder in dicht besiedeltem Gebiet eingesetzt wird. Viele dieser Fragen richten sich zwar an die Politik, viele wird aber auch Rebord zu beantworten haben.

Auch auf dem digitalen Schlachtfeld sollte der neue Armeechef eine gute Figur machen. Cyber Defence gehört seit einigen Jahren zu den Aufgaben der Armee. Es wird auch viel Geld dafür ausgegeben, die Netze zu schützen. Hackerangriffe wie jener auf den bundeseigenen Rüstungsbetrieb Ruag werfen aber die Frage auf, ob die Bedrohung richtig eingeschätzt wird.

Hinzu kommen die ständige Diskussion um die Zukunft der Dienstpflicht und nicht zuletzt regelmässige Pannen und Unglücke. Es ist Rebord, der sich künftig mit abgestürzten Flugzeugen, gestohlenem Sprengstoff und Querschlägern im Wohngebiet herumschlagen muss. Er ist nicht nur oberster Kommandant, sondern auch das Gesicht der Armee und damit massgeblich verantwortlich für deren Ruf und Ansehen.

(sda)


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