Die Schweiz hat jetzt ihre "Route 66"

TOURISMUS ⋅ Auch die Schweiz hat jetzt ihre "Route 66": Ab diesem Sommer sollen Touristen auf der durchgehend beschilderten "Grand Tour of Switzerland" auf eigene Faust die Schweizer Sehenswürdigkeiten bereisen.

Die "Grand Tour of Switzerland" verbindet sämtliche wichtigen Sehenswürdigkeiten der Schweiz. Sie führt in einer grossen Runde vom Rheinfall zum Nationalpark im Engadin und auf die Piazza nach Locarno, über Gotthard und Furka das Wallis hinab zum Jet d'Eau in Genf und schliesslich via Creux du Van, Tellskapelle und Zürcher Grossmünster wieder zurück an den Rhein.

"Es ist ein 1600 Kilometer langer Erlebniskorridor", sagte Jürg Schmid, der Direktor von Schweiz Tourismus, an einer Medienkonferenz am Dienstag in Zürich. Ziel sei es mit dieser helvetischen "Route 66" bis 2021 eine Million zusätzlicher Übernachtungen und einen Umsatz von 225 Mio. Fr. zu generieren.

Trend zur Rundreise

Den Anstoss zur Schaffung einer touristischen Autoroute durch die Schweiz hat dabei laut Schmid der Trend zu Rundreisen gegeben. Neben Städtereisen werde gemäss internationalen Erhebungen vor allem das so genannte Touring immer beliebter, sagte er. Die Gründe dafür seien offensichtlich: Das individuelle Reisen auf vorgezeichneten Routen biete maximales Erlebnis bei minimalem Zeitaufwand und Risiko.

Für die Betreuung der Route und Angebote in den Regionen wurde eigens ein Verein gegründet, dessen Mitglieder die regionalen Tourismusorganisationen sind. Schweiz Tourismus dagegen ist für das Marketing des neuen Angebots verantwortlich. Die Tourismusorganisation wird dazu in diesem Jahr weltweit 42 Medienkonferenzen abhalten, 450 Reisejournalisten in die Schweiz einladen und 9 Millionen Broschüren, Reiseführer und Karten verteilen.

Dafür wird Schweiz Tourismus in diesem und im nächsten Jahr 30 Millionen Franken aufwenden, was rund ein Sechstel des gesamten Budgets für Kampagnen in den nächsten zwei Jahren ausmacht. Der Verein seinerseits will bis 2016 1,8 Millionen Franken investieren, wobei die finanziellen Mittel bei beiden vor allem vom Bund stammen.

Kein kurzfristiges Marketingprojekt

"Für uns ist die Grand Tour of Switzerland kein kurzfristiges Marketingprojekt, sondern ein langfristiges touristisches Produkt", sagte Schmid dazu. Eines, das jedoch auch Gegner hat. So haben bereits in der Vorbereitungsphase der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) und die Grüne Partei die Grand Tour als "Unsinn" bezeichnet.

"Für die Grünen ist es unverständlich, dass Schweiz Tourismus mit unberührten Alpen-Bildern Werbung macht und gleichzeitig den Strassenverkehr in die Berge fördert", schreibt Urs Scheuss, der Fachsekretär der Grünen Partei, auf Anfrage. Im Zeitalter des gut ausgebauten öffentlichen Verkehrs sei die Idee einer Autotour durch die Schweiz veraltet, sagt Stefanie Schäuble vom VCS.

Schweiz Tourismus widerspricht. Die Grand Tour werde voraussichtlich zu keinem Mehrverkehr führen, sagte Schmid. Denn: "Wir hoffen, dass wir bisherige Tagesausflügler für mehrere Tage in der Schweiz halten können, was die Anzahl gefahrener Kilometer senkt." Zudem sei es auch möglich, dass dank dem neuen Angebot vermehrt Schweizer Ferien in der Schweiz machten und damit auf eine klimaschädliche Flugreise verzichten.

HINWEIS
Informationen zur Route in der Region Luzern-Vierwaldstättersee finden Sie in diesem Artikel.

sda



 


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