FCZ-Randale kostet SBB viel Geld

BASEL ⋅ Die Heimreise der Fans des FC Zürich am Sonntagabend nach der 1:5-Niederlage in Basel kommt die SBB teuer zu stehen. Randalierende haben im Extrazug massiven Schaden angerichtet.

«Im Zug wurden acht Fensterscheiben zerschlagen, Gummidichtungen von Fenstern gewaltsam entfernt, mehrere Sitzpolster herausgerissen und angezündet und Lampenabdeckungen heruntergerissen», sagte SBB-Sprecher Christian Ginsig gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Allein der Sachschaden belaufe sich auf mehrere tausend Franken. Dazu kommen nochmals einige tausend Franken aufgrund des Notstopps.

FCZ-Fans hatten in Pratteln die Notbremse gezogen und waren danach auf die Gleise geströmt. Aus Sicherheitsgründen stellte die SBB den Bahnverkehr für rund eine halbe Stunde ein. Insgesamt neun Züge im Regional- und Fernkehr fielen ganz aus, weitere Züge verkehrten mit Verspätungen.

Zahlungen wegen verpasster Flüge möglich

Der Ausfall und das Umdisponieren von Zügen führe zu mehr Personalaufwand, sagte Ginsig. Zudem müsse die SBB mit «kundendienstlichen Forderungen» rechnen, etwa von Kunden die wegen Zugausfällen auf ein Taxi umsteigen mussten oder einen Flug verpassten. Mögliche weitere Folgekosten bei Notbremsungen könnten durch die Abnutzung an den Rädern des Zuges entstehen.

Für die Zusatzausgaben aufkommen muss die SBB selbst. «Am Ende bezahlen die Bahnkunden über die Billettpreise dafür», sagte Ginsig. Pro Jahr entstehen der SBB gemäss eigenen Angaben für Fantransporte ungedeckte Kosten von rund drei Millionen Franken.

Für die Vandalenakte und auch das unrechtmässige Ziehen der Notbremse könnten die Täter zwar theoretisch belangt werden - in der Praxis geschieht dies aber kaum je. «Aus juristischer Sicht müssten wir nachweisen können, welche Person die Tat begangen hat. In einem Schwarm von Fans ist es aber kaum möglich, eine einzelne Person zu identifizieren.»

Nationalrat gegen Fanzug-Pflicht

Ständerat und Bundesrat wollten randalierende Fussballfans mit einer Änderung im Personenbeförderungsgesetz stärker zur Kasse bitten. Der Nationalrat wischte die Fanzug-Pflicht im vergangenen Herbst aber als nicht umsetzbar und nicht zielführend vom Tisch. Vorgesehen gewesen war eine Lockerung der Transportpflicht für Unternehmen des öffentlichen Verkehrs.

Fans sollten gezwungen werden können, mit Extra-Zügen oder -Bussen an Spiele zu reisen. Ausserdem hätte mit der Gesetzesänderung eine Rechtsgrundlage geschaffen werden sollen, um Sportclubs unter bestimmten Voraussetzungen für Schäden haften zu lassen, die ihre Fans angerichtet haben.

«Mit dieser Gesetzesänderung hätten wir ein Druckmittel gehabt, um die Fussballclubs dazu zu bringen, Charterverträge mit uns abzuschliessen», sagte Ginsig. «Mit Charterverträgen wären die Clubs dazu verpflichtet gewesen, die Kosten für Schäden zu tragen, sofern nicht die verursachenden Fussballfans zur Verantwortung gezogen werden können.»

Die SBB habe mit allen Schweizer Fussballclubs das Gespräch gesucht. «Mit Ausnahme von YB war kein einziger bereit, eine gewisse Verantwortung zu übernehmen.» Der Berner Fussballclub Young Boys hat mit der SBB seit Längerem einen Kooperationsvertrag. Dabei haftet der Club zwar nicht für Sach- und Personalschäden, entlastet aber vor allem das Personal der SBB.

sda
 


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