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Hunderte fordern sichere Flüchtlingsrouten

FLÜCHTLINGE ⋅ In mehreren Schweizer Städten haben Menschen am Samstag für sichere Flüchtlingsrouten demonstriert. In Zürich, Lausanne und Biel versammelten sich mehrere hundert Personen. In Bern wurde ein grosses Transparent in die Aare gelegt.

Der europäische Marsch für die Rechte der Flüchtlinge fand auch in über 100 anderen europäischen Städten statt. Die Menschen auf den Strassen wollten für einmal nicht gegen etwas, sondern für etwas demonstrieren, sagte Alan David Sangines, Stadtzürcher SP-Gemeinderat, in Zürich: "für sichere Flüchtlingsrouten". "Höhere Zäune führen nicht zu weniger Flüchtlingen, sondern zu mehr Toten", sagte er.

Auch Flüchtlingshelfer Michael Räber rüttelte in seiner Rede auf: "Alles was wir tun, um die Flüchtlinge abzuschrecken, wird nicht funktionieren, sondern macht alles nur noch schlimmer." Die Flüchtlinge sollten Fähren und Flugzeuge besteigen dürfen. "Für uns hier in der Schweiz würde sich nichts ändern, aber es würde für die Menschen auf der Flucht alles ändern." Die Schweiz solle als gutes Beispiel vorausgehen.

Räber weilt seit letztem Herbst auf der griechischen Insel Lesbos und hilft dort den Flüchtlingen, die von der Türkei her übers Meer nach Europa kommen: "Seit September ziehen wir Menschen aus dem Wasser, das ist frustrierend genug. Noch frustrierender ist es, dass sich nichts ändert", sagte Räber weiter. Jetzt im Februar seien es täglich über 1000 Personen, die in Lesbos ankommen würden.

Orange Ballone und Schwimmwesten

Einer, der Räber vor Ort geholfen hat, ist Michael "Grosi" Grossenbacher. Die Hilfe sei keine politische Frage, sondern eine Frage der Menschlichkeit. Er werde im März wieder nach Lesbos reisen, sagte der Berner Comedian vor den rund 500 Personen auf dem Helvetiaplatz in Zürich.

Unter dem gemischten Publikum waren auch viele weitere Helferinnen und Helfer, die sich in Griechenland engagierten. Einige trugen leuchtende Sicherheitswesten, andere eine Schwimmweste. Kinder liessen riesige Seifenblasen steigen, die schon bald wieder zerplatzten. Verteilt wurden orange Ballone mit Zetteli dran, auf denen #safepassage steht. Auch auf der mit Strandgut errichteten Skulptur stand safepassage geschrieben.

Organisiert wurde die bewilligte Kundgebung von zwei 24-jährigen Zürcher Studentinnen. Eine der beiden Organisatorinnen kam im Januar von einem Hilfseinsatz bei Räber zurück. Als die beiden auf Facebook den Aufruf für den europäischen Marsch für die Rechte der Flüchtlinge sahen, beschlossen sie, dies auch für Zürich zu organisieren.

Kerzen in Lausanne - Transparent in der Aare in Bern

Auch in Lausanne fanden sich an die 500 Personen ein, um für eine "sichere Passage" zu demonstrieren. Sie trugen Plakate und Transparente mit der Aufschrift "Bienvenue aux réfugiés" oder "Free passage now" und forderten, Ausschaffungen zu stoppen und das Dublin-Abkommen abzuschaffen.

Unter den Demonstrierenden fanden sich viele Familien. Die Kinder zeichneten auf der Place de l'Europe Herzen und "peace and love" mit Kreide auf den Boden, so dass ein farbiger Teppich entstand. Zudem wurden Kerzen angezündet.

In Bern machten Aktivisten mit einem schwimmenden Transparent auf der Aare auf die Not der Flüchtlinge aufmerksam. Gemeinsam mit Gleichgesinnten in ganz Europa forderten sie sichere Reisewege sowohl aus den Kriegsgebieten als auch innerhalb Europas, eine Aufhebung der Segregation von schutzsuchenden Menschen, ein Ende der Beschlagnahmung von Hab und Gut, sowie das Beenden der Grenzschliessungen. (sda)

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