Millionenschäden nach Unwetter im Emmental

BERN ⋅ Ein Unwetter hat am Donnerstagmorgen im Emmental grossen Schaden angerichtet. Der sintflutartige Regen liess die Emme und andere Bäche innert kurzer Zeit über die Ufer treten. Besonders hart traf es die ländliche Region um Schangnau.

Nach dem Hochwasser gehen am Freitag die Aufräumarbeiten weiter. Am Freitag waren die Einsatzkräfte vor allem bemüht, die Bachläufe von Geröll und Holz zu befreien. Damit will man sich gegen allfällige neue Gewitter wappnen.

Menschen mussten aus überschwemmten Bauernhöfen evakuiert werden. Im Dorf Bumbach bahnten sich die dunkelbraunen Wassermassen ihren Weg durchs Dorf und setzten Häuser unter Wasser. Überall lag Schlamm und Geröll.

Glücklicherweise waren nach den dramatischen Morgenstunden keine verletzten Personen zu beklagen. Drei Ziegen und rund hundert Hühner kamen hingegen in den Fluten um. Das Ausmass der Sachschäden wird sich wohl erst in den kommenden Tagen abschätzen lassen.

Der zuständige Regierungsstatthalter, Markus Grossenbacher, sprach am Donnerstagnachmittag vor den Medien von Millionenschäden, die wohl zu erwarten seien. Die Bevölkerung treffe das Hochwasser hart, sei die Region doch schon 2008 und 2012 von Unwettern heimgesucht worden.

Die Wehrdienste stehen noch immer im Einsatz. Die Bevölkerung hat erste Aufräumarbeiten in Angriff genommen. Alle versuchen, sich gegenseitig zu unterstützen. Vor Ort sind auch Vertreter der Armee. Sie klären ab, ob die Armee eine Notbrücke erstellen soll, da die Fluten zwei alte Holzbrücken mitgerissen hatten.

300-jährliches Hochwasser

Das Unwetter zog in den frühen Morgenstunden über dem Emmental auf. Innerhalb weniger Stunden fielen örtlich bis zu 100 Liter pro Quadratmeter, wie Marco Stoll, Meteorologe bei Meteoschweiz, auf Anfrage sagte. Auch im angrenzenden östlichen Berner Oberland und im Luzerner Hinterland regnete es heftig.

Die von den Regenfällen der vergangenen Tage bereits gesättigten Böden konnten das zusätzliche Wasser nicht mehr aufnehmen. Das habe die Lage kritisch werden lassen, führte Stoll aus.

Gemäss David Volken, Sprecher des Bundesamtes für Umwelt, erlebte die Region um Schangnau ein Hochwasser, wie es statistisch etwa alle dreihundert Jahre vorkommt. Die Werte aus den Hochwassern von 2005 und 2007 wurden übertroffen, wie Volken in der Sendung "Rendez-vous" von Schweizer Radio SRF1 erklärte.

Warnung vor Flutwelle

Während die Menschen in Schangnau mit ersten Aufräumarbeiten begannen, rollten die Wassermassen der Emme Richtung Mittelland. Die Behörden warnten vor einer Flutwelle und riefen die Bevölkerung auf, die Ufer sofort zu verlassen. Am frühen Nachmittag ergoss sich das Hochwasser an der Emmemündung, an der Grenze zum Kanton Solothurn, in die Aare.

Am späten Nachmittag hoben die Behörden die Flutwellenwarnung wieder auf. Nach ersten Erkenntnissen sei niemand zu Schaden gekommen, schreibt die Solothurner Kantonspolizei. Auch grössere Schäden hätten die Wassermassen nicht angerichtet.

Mit der Wasserwalze durchaus Schritt hielt die Flut an Leserfotos und Videos auf den Onlineportalen der Schweizer Medien und in den sozialen Medien. Verschiedene Leserbilder dokumentierten eindrücklich, mit welcher Kraft die Wasser daherschossen. Auf Twitter solidarisierten sich Anwohner des oft hochwassergeplagten Berner Mattequartiers spontan mit den Emmentalern.

Am Nachmittag begann sich die Hochwassersituation wieder langsam zu beruhigen.

Viel Arbeit für Feuerwehren auch anderswo

Vom Unwetter getroffen wurde nicht nur das Emmental, sondern auch angrenzende Regionen. In Brienz, im östlichen Berner Oberland, mussten vier Häuser vorsorglich evakuiert werden, weil der Mühlebach über die Ufer getreten war. Verletzt wurde niemand, wie die Gemeinde mitteilte. Die Betroffenen konnten am frühen Abend wieder in ihre Häuser zurück.

Auch im Entlebuch, an der Grenze der Kantone Luzern und Bern, wurden vereinzelt Keller überflutet und Nebensträsschen verschüttet. Verletzt wurde niemand. Auf einer Alp unterhalb der Schrattenfluh musste die Feuerwehr helfen, eine verstreute Herde mit rund 300 Rindern zusammenzutreiben und in Sicherheit zu bringen.

Im Wallis und in der Region Lausanne hatten die Feuerwehren ebenfalls alle Hände voll zu tun. Auch dort wurden Keller überflutet. In der Region von Sion mussten die Wehrdienste rund vierzig Einsätze leisten, in Lausanne rund dreissig. (sda)


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