Neue Pilze breiten sich in der Schweiz aus

UMWELT ⋅ Die Klimaerwärmung und der globale Handel führen dazu, dass sich gebietsfremde Pilze in der Schweiz ausbreiten. Ein Bericht dokumentiert rund 300 eingeschleppte Pilzarten.

Häufig sind die neuen Pilze, sogenannte Neomyceten, Parasiten von Garten- oder Wildpflanzen. Manche richten grossen wirtschaftlichen und ökologischen Schaden an, wie die Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL am Freitag mitteilte. Da viele der eingewanderten Pilze kaum bekannt sind, hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) die WSL mit der ersten umfassenden Erhebung in der Schweiz beauftragt.

Einige der Neomyceten wurden schon vor längerer Zeit entdeckt. So etwa der ursprünglich aus Australien stammende, rote, nach Aas stinkende Tintenfischpilz. Er wurde 1942 das erste Mal in der Schweiz nachgewiesen und kommt inzwischen im ganzen Jura und im Voralpenbogen vor. Erst im vergangenen Jahr wurde dagegen im Tessin ein auffällig oranger, tropischer Hutpilz entdeckt.

Drei Viertel der Neulinge sind Parasiten, die auf ebenfalls nicht in der Schweiz heimischen Pflanzen leben. Viele Neomyceten sind Krankheitserreger von Gartenpflanzen, wie WSL-Pilzexperte Ludwig Beenken erklärt. 35 Pilze haben die Fachleute dokumentiert, die auch einheimische Pflanzen befallen.

Ein Fünftel der neuen Pilze lebt dagegen von abgestorbenen Pflanzen und richtet keine Schäden an. Dazu gehört auch der oben genannte Tintenfischpilz.

Entwischte Zucht- und Zauberpilze

Die Experten gehen davon aus, dass viele der Pilze mit Holzlieferungen, Verpackungsholz oder Holzschnitzeln nach Europa eingeführt wurden. Sie haben in freier Wildbahn jedoch auch aus Zuchten stammende Speisepilze entdeckt, wie etwa den Rotbraunen Riesen-Träuschling.

Ebenfalls aus Zuchten - allerdings aus illegalen - dürfte der "Zauberpilz" Psilocybe cyanescens stammen, ein halluzinogener Rauschpilz, wie es in der Mitteilung heisst. In Acht nehmen sollten sich Pilzsammler auch vor dem Parfümierten Trichterling aus Nordafrika, der schwere Vergiftungen verursacht und leicht mit den einheimischen Trichterlingen und Rötelritterlingen verwechselt werden kann.

Beunruhigend sei die rasante Verbreitung von Krankheitserregern, schreiben die Pilzexperten. Ein bekanntes Beispiel ist das Eschentriebsterben durch einen aus Ostasien eingeschleppten Pilz, der Blätter und Stämme der Esche befällt.

Die Krankheit wurde 2008 zum ersten Mal in Basel nachgewiesen. Sie hat sich innerhalb von kurzer Zeit auf der Alpennordseite ausgebreitet und tritt seit 2003 auch südlich der Alpen auf, so dass heute 90 Prozent aller Eschenbestände betroffen sind.

Insgesamt werden acht Pilze aufgelistet, die als gefährliche, invasive Krankheitserreger eingestuft werden. Nicht darin eingeschlossen sind Pilzkrankheiten von landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Um der Einschleppung neuer Neomyceten vorzubeugen, sollten Importe lebender Pflanzen, aber auch Substrate wie Holz und Erde, umfassender kontrolliert werden, raten die WSL-Pilzexperten.

Hinweis: Zum Bericht »

(sda)


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