PUK kritisiert Führung des Spitals Wallis

SPITAL WALLIS ⋅ Für die Querelen der vergangenen Jahre im Spital Wallis waren auch Führungsmängel auf allen Ebenen verantwortlich. Zu diesem Schluss kommt eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) in ihrem Schlussbericht.

Die Kantonsregierung, der Verwaltungsrat, der Chefchirurg, niemand ist von den Vorwürfen ausgenommen, wie PUK-Präsident Xavier Moret (FDP) am Mittwoch vor den Medien in Sitten sagte. Die Krise sei "eher den Personen als den Strukturen zuzuschreiben".

Die Kantonsregierung habe sich hinter ihrer Aufsichtspflicht versteckt, um sich nicht in den Betrieb einzumischen. Der ehemalige Verwaltungsratspräsident Charles Kleiber habe sich hingegen zu viel eingemischt.

Die Generaldirektion verhielt sich laut der PUK zu passiv. Zudem wurden Warnsignale ignoriert. Ein Chirurg hatte bereits 2010 Probleme in der hochspezialisierten Medizin angeprangert. Er wurde von seinen Vorgesetzten jedoch nicht angehört.

Das Walliser Gesundheitsdepartement habe damals ein Gutachten erstellt, in dem die Kritik zurückgewiesen wurde. Der Chirurg wurde schliesslich entlassen.

Auch zehn Jahre nach der Ablösung der Regionalspitäler unter der Dachorganisation Spital Wallis sei kein Gleichgewicht zwischen den Verantwortlichkeiten und verschiedenen Instanzen gefunden worden, hielt die PUK fest.

Die Kommission fordert, dass die Kompetenzen aller Ebenen klar definiert werden, um bei Problemen klare Verhältnisse zu schaffen. Die kritisierten Hauptakteure sind mehrheitlich nicht mehr am Spital Wallis tätig oder stehen vor dem Abgang.

Mehrere Abgänge nach Affären

Bereits Mitte Februar hatte der Verwaltungsrat beschlossen, die Leitung des Spitalzentrums des französischsprachigen Wallis bis Ende 2015 neu zu organisieren. Der bisherige Direktor wird das Spital im Einverständnis mit dem Verwaltungsrat verlassen. Der ärztliche Direktor und der Pflegedirektor sollen andere Funktionen übernehmen.

Das Spital Wallis sorgte in den vergangenen Jahren vor allem wegen Vorwürfen gegen den ehemaligen Chefchirurgen für Schlagzeilen. Dem Mann war bereits 2010 vorgeworfen worden, während einer Operation ein Fussballspiel geschaut zu haben. Im Sommer 2013 geriet der Chefchirurg erneut ins Kreuzfeuer der Kritik. Er wurde für mehrere Todesfälle nach Operationen verantwortlich gemacht.

Der Chirurg wurde zwar durch eine Untersuchung rehabilitiert, trotzdem warf er wegen anhaltender Kritik Anfang 2014 das Handtuch. Drei Monate später nahm auch der damalige Verwaltungsratspräsident des Spitals Wallis, Charles Kleiber, den Hut. (sda)


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