Starker Franken nützt Rentnern im Ausland

GELDPOLITIK ⋅ Der Franken-Schock hinterlässt nicht nur Verlierer. Hunderttausende Rentnerinnen und Rentner mit Wohnsitz im Ausland dürfen sich über einen sprunghaften Anstieg ihrer Bezüge freuen. Für eine volle Minimalrente gibt es diesen Monat rund 140 Euro mehr aufs Konto.

Am 5. Januar, dem Stichtag für die Januar-Auszahlungen, war eine Minimalrente von 1175 Franken rund 975 Euro wert. Wenden die mit der Auszahlung beauftragten Banken den Kurs vom Donnerstag für die Februar-Renten an, werden dafür nun fast 1120 Euro ausgezahlt.

Das sind rund 140 Euro mehr als vor einem Monat. Bei der Maximalrente beträgt der Unterschied sogar 260 Euro. Der gleichen Wertsteigerung unterliegen IV-Renten, die ins Ausland ausgezahlt werden. Da es sich um reine Währungseffekte handelt, entstehen den Schweizer Sozialversicherungen keine Mehrkosten.

Auch Risiko bei Rentnern

Sowohl Währungsgewinne wie auch -verluste würden vollständig von den Versicherten getragen, teilte die Zentrale Ausgleichsstelle in Genf auf Anfrage der sda mit. Ein Mechanismus zum Ausgleich starker Kursausschläge existiert nicht.

Nach Auskunft des Bundesamts für Sozialversicherungen werden die ins Ausland gezahlten Renten wie jene in der Schweiz angepasst. Hier gilt der Mischindex der aktuellen Preis- und Lohnentwicklung. Auf dieser Basis wurden die AHV- und IV-Minimalrenten per 1. Januar um 5 Franken erhöht.

Mehr als ein Drittel der knapp 2,4 Millionen AHV-Rentnerinnen und -Rentner lebten Ende 2013 im Ausland. Der überwiegende Teil von ihnen sind ausländische Staatsangehörige, die vorübergehend in der Schweiz gearbeitet haben und nun ihren Lebensabend im Heimatland verbringen.

Insgesamt bezogen sie 452,4 Millionen Franken an Alters-, Zusatz- und Hinterlassenenrenten, wie aus der AHV-Statistik 2013 hervorgeht. Die Summe der ins Ausland ausgezahlten IV-Renten belief sich auf knapp 43 Millionen Franken - 10 Prozent aller ausgezahlten IV-Leistungen.

Halbe Milliarde ins Ausland

Insgesamt fliessen damit rund 495 Millionen Franken als AHV- oder IV-Renten ins Ausland. Der grösste Teil dieses Geldes wird in EU-Länder ausgezahlt, wo 90 Prozent der AHV-Rentner und über 80 Prozent der IV-Rentner mit ausländischem Wohnsitz leben.

Aber nicht nur Rentner in der Euro-Zone profitieren vom starken Franken. Auch andere Währungen haben in den letzten Wochen gegenüber dem Franken an Wert eingebüsst. Da die Renten in der Regel in den Landeswährungen ausgezahlt werden, können sich auch die Bezügerinnen und Bezüger in anderen Ländern über einen Zustupf freuen.

In vielen Fällen wird dieser allerdings bescheiden ausfallen, weil die Rentenbeträge oft sehr tief sind: Gemäss Jahresbericht der Zentralen Ausgleichsstelle betragen 60 Prozent der ins Ausland ausbezahlten Renten weniger als 400 Franken pro Monat. Grund sind die tendenziell tiefen Löhne ausländischer Arbeitskräfte sowie die teils nur kurze Beitragsdauer.

Auch auf der Verlierer-Seite

Im Moment stehen die Rentnerinnen und Rentner im Ausland auf der Gewinnerseite. Das war in der Vergangenheit nicht immer so: Als beispielsweise der Preis für den Euro im Jahr 2007 von zunächst rund 1,50 Franken auf fast 1,65 Franken kletterte, mussten viele von ihnen Einbussen in Kauf nehmen.

Es gibt auch andere Risiken als die direkten Wechselkurs-Effekte. Sarah Mastantuoni, Co-Direktorin der Auslandschweizer-Organisation ASO, erinnert etwa an die Wirtschaftskrise in Argentinien. Als 2002 der Peso abgewertet wurde und die Behörden Geldüberweisungen ins Ausland verboten, hätten viele Auslandschweizer ihre Beiträge an die freiwillige AHV nicht mehr bezahlen können, sagte sie der sda. Dies habe damals zu zahlreichen Ausschlüssen geführt. (sda)


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