UNO-Konferenz berät Katastrophenvorsorge

KATASTROPHENSCHUTZ ⋅ Immer mehr Naturkatastrophen reissen Menschen in den Tod und verursachen gewaltige wirtschaftliche Schäden. Mit dem Ziel, besser auf solches Unglück zu reagieren, sind in Japan Minister und Experten zu einer UNO-Konferenz zur Katastrophenvorsorge zusammengekommen.

Nach UNO-Angaben belaufen sich die wirtschaftlichen Verluste durch Katastrophen wie Stürme, Erdbeben, Tsunamis und Überschwemmungen schon jetzt auf schätzungsweise 250 bis 300 Milliarden Dollar pro Jahr. Dies zeige, wie wichtig Investitionen in die Vorsorge seien, sagte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zum Auftakt der fünftägigen Konferenz in Sendai.

Der Klimawandel intensiviere die Risiken für Hunderte Millionen von Menschen. "Wir können zuschauen, wie mehr Menschen leiden. Oder wir können diese Zahl dramatisch reduzieren und die Einsparungen nutzen, um sie in die Entwicklung zu investieren", sagte Ban Ki Moon vor den rund 6000 Delegierten aus über 180 Ländern weiter.

Dutzende Tote in Vanuatu befürchtet

Der Präsident des südpazifischen Inselstaates Vanuatu, Baldwin Lonsdale, rief vor dem Hintergrund der verheerenden Zerstörungen in seinem Land durch den Zyklon "Pam" zu verstärkter Hilfe auf. Naturkatastrophen könnten "Jahre der Entwicklung zunichtemachen", sagte er.

Der Wirbelsturm der höchsten Kategorie fünf hatte am Samstag (Ortszeit) Vanuatu mit voller Wucht getroffen, Sturmböen erreichten Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 330 Stundenkilometern. Möglicherweise kamen dutzende Menschen ums Leben, wegen des Zusammenbruchs das Telekommunikationsnetzes war das Ausmass der Schäden am Samstag aber zunächst noch unklar.

Vier Milliarden aus Japan

Gastgeber Japan kündigte an, über die nächsten vier Jahre hinweg vier Milliarden Dollar für das globale Krisenmanagement bereitstellen zu wollen. Japan wolle helfen, 40'000 Menschen in aller Welt in Katastrophenschutz- und Wiederaufbau-Massnahmen auszubilden, sagte der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe .

Wichtig sei auch die Beteiligung der Zivilgesellschaft, insbesondere der Frauen, bei der Ausarbeitung von Vorsorgemassnahmen gegen Katastrophen. 90 Prozent der Opfer gibt es Abe zufolge in ärmeren Ländern. Daher müsse es auch um nachhaltiges Wirtschaftswachstum und Anpassungen an den Klimawandel gehen.

Burkhalter fordert Umstellung der Hilfe

Der Schweizer Aussenminister Didier Burkhalter sagte vor den Delegierten, der heute übliche Mechanismus der humanitären Hilfe als Antwort auf Katastrophen stosse an seine Grenzen. Deshalb müsse die Hilfe von einer Reaktion hin zu vorbeugenden Massnahmen wechseln. Dieser Wechsel sei anspruchsvoll, sagte Burkhalter gemäss Redetext.

Es sei einfacher, öffentliche Gelder für die Soforthilfe aufzutreiben als für Präventionsmassnahmen. Deshalb müsse die Politik jetzt ein Zeichen für einen solchen Paradigmenwechsel setzen, sagte er den Konferenzteilnehmern, die ein neues Rahmenprogramm für Katastrophenvorsorge verabschieden sollen.

Die Schweiz verfolge bereits heute einen Ansatz, mit dem besser auf Naturgefahren reagiert werden könne. Die Prävention beginne bei lokalen Akteuren, die im Falle einer Katastrophe auch zu den ersten Betroffenen zählen.

Dieses Jahr biete die Gelegenheit, wichtige Entscheide für eine nachhaltigere Welt zu treffen, zunächst an der Konferenz in Sendai und im Dezember dann an der Weltklimakonferenz in Paris, sagte Burkhalter weiter.

Kritik an Wirksamkeit

Ziel der Konferenz in Sendai ist die Ausarbeitung eines neuen UNO-Rahmenwerks mit einer Laufzeit von 15 Jahren zur Risikoreduzierung von Naturkatastrophen. Ein derzeitiger Aktionsplan namens Hyogo Framework for Action läuft in diesem Jahr aus.

Kritiker äusserten jedoch zum Auftakt Zweifel an der erwarteten Vereinbarung. Es sei zu befürchten, dass die Ärmsten nicht ausreichend geschützt werden, warnte Michelle Higelin von der Hilfsorganisation ActionAid. Zyklon "Pam" sei eine Warnung. (sda)


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