Zugfahren wird wohl wieder teurer

SBB ⋅ Der Bund will die Bahnunternehmen für die Benutzung von Gleisen und Infrastrukturanlagen ab 2017 stärker zur Kasse bitten. Dies würde auch aufs Portemonnaie der Zugreisenden drücken.

Die Erhöhung der Trassenpreise hatte der Bundesrat in seiner Botschaft zur FABI-Vorlage, welche vom Volk im Februar 2014 angenommen worden war, angekündigt. In einem ersten Schritt wurden die Preise per 2013 insgesamt um 200 Millionen Franken pro Jahr erhöht.

Auch deswegen stiegen die Billettpreise im Dezember 2012 um 5,2 Prozent an. Nun steht 2017 eine weitere Trassenpreiserhöhung um jährlich 100 Millionen Franken an. Diese soll mit der Änderung der Eisenbahn-Netzzugangsverordnung (NZV) vollzogen werden.

Erhöhung der Billettpreise nicht notwendig

In der am Freitag zu Ende gegangenen Anhörung erntet das Eidg. Departement für Umwelt, Verkehrs, Energie und Kommunikation (UVEK) teils heftige Kritik für sein Vorgehen. «Jetzt die Tarife zu erhöhen, wäre ein falschen Zeichen», sagte Kurt Schreiber, Präsident des Kundenverbands Pro Bahn, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Wegen der Frankenstärke und der tiefen Rohstoffpreise seien Autos und Benzin billiger geworden. Wenn nun gleichzeitig die Preise für Zugbillette steigen würden, gehe der Anreiz, mit dem öffentlichen Verkehr zu reisen, verloren.

Zudem sei die wirtschaftliche Situation der Bahnunternehmen genug gut, um die steigenden Infrastrukturkosten selber zu tragen, sagte Schreiber. «Die Passagierzahlen steigen seit Jahren, den Bahnbetreibern steht also mehr Geld zur Verfügung.» Deshalb fordert er auf eine Tariferhöhung bei den Zugtickets zu verzichten.

UVEK will an Zeitplan festhalten

Aus Sicht der Bahnunternehmen kommt dies nicht infrage: «Eine Trassenpreiserhöhung wälzen wir auf die Kunden um», sagte Andreas Keller vom Verband öffentlicher Verkehr (VöV). Wie dies genau geschehen werde, sei noch unklar.

Grundsätzlich sei eine angemessene Anpassung der Trassenpreise gerechtfertigt, sagte Keller. «Wir sagten Ja zu FABI und sagen nun Ja zur vermehrten Nutzerfinanzierung im öffentlichen Verkehr.» Doch äussert der VöV starke Vorbehalte gegen den vom Bund vorgeschlagenen Zeitpunkt der Erhöhung.

In einem öffentlichen Brief hatte der Verband Verkehrsministerin Doris Leuthard ersucht, den Aufschlag um ein oder zwei Jahre aufzuschieben. Das UVEK erteilte dem Vorschlag aber vor kurzem eine Absage und hielt an der Tariferhöhung per 2017 fest.

Der VöV bleibe die Antwort auf die Frage schuldig, wie die Lücke zu schliessen wäre, wenn die Erhöhung verschoben werde, hielt das UVEK in seinem Schreiben fest. «Es ist nicht an uns, das vorzuschlagen», sagte Keller dazu. Das Ziel sei lediglich, maximal zwei weitere Jahre am Ist-Zustand festzuhalten.

Bis zu sechs Prozent teurer?

Falls der Bund trotz der Kritik nach der Anhörung an seinem Zeitplan festhält, werden die Bahnkunden mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2016 mehr für Billette und Abonnemente bezahlen müssen. Wie happig der Preisaufschlag sein wird, ist unklar.

Pro-Bahn-Präsident Schreiber geht zum jetzigen Zeitpunkt von einer Verteuerung in der Grössenordnung von fünf bis sechs Prozent aus. «Diese Zahl wird herumgeboten», sagte er.

Der VöV, welcher die Preise mit den Bahnunternehmen und dem Preisüberwacher festlegt, lässt sich nicht in die Karten blicken. Um Zahlen zu nennen, sei es noch zu früh, sagte Keller. «Theoretisch ist es möglich, den Preisaufschlag auf die Jahre 2017 und 2018 zu verteilen.» Dies würde bewirken, dass die Kunden nicht auf einen Zeitpunkt hin viel mehr bezahlen müssten.

Auch die Preisüberwachung kann die Höhe des Aufschlags noch nicht abschätzen, wie es auf Anfrage hiess. Sicher sei, dass die zusätzliche Belastung für die Transportunternehmen aufgrund der Trassenpreiserhöhung um 100 Millionen Franken etwa 2,5 Prozent der heutigen Preise betrage. Darin seien andere Effekte aber noch nicht berücksichtigt.

Rabattbillette unter Erwartungen

«Die höheren Trassenpreise können unter Umständen durch Effizienzgewinne aufgefangen und müssen gar nicht oder nicht unbedingt vollständig an die Kunden überwälzt werden», sagte Beat Niederhauser, stellvertretender Preisüberwacher, auf Anfrage. Der Mechanismus der Preisfestlegung sei aber äusserst komplex.

Bei der letzten Preisrunde hatte der Preisüberwacher mit den Bahnunternehmen Rabattbillette ausgehandelt. «Diese sind bisher nicht der grosse Renner», sagte Niederhauser. Diesbezüglich erwarte er von der SBB noch «einen deutlichen Effort».

Bisher biete das Bahnunternehmen die Rabattbillette «auf zu wenig attraktiven Verbindungen mit zu wenig attraktiven Vergünstigungen an». Sofern der Fernverkehr immer noch überhöhte Gewinne zu erzielen droht, würden bei der nächsten Preisrunde neue Kompensationsideen für die Kunden des Fernverkehrs geprüft.

sda


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