Schweizer Crowdfunding-Plattform boykottiert «No Billag»-Initiative

«NO BILLAG» ⋅ Die Crowdfunding Plattform Wemakeit hat die seit Freitag laufende Sammelaktion von «No Billag» abgebrochen. Als Grund geben die Betreiber der Seite «die extreme Stossrichtung der Initiative» an. Diese sei staatspolitisch gefährlich.
06. November 2017, 15:02

Nichts Crowdfunding: Gründer und Geschäftsleitung der Plattform WeMakeit.ch (Zusammenzug von we make it, wir schaffen das) haben sich entschlossen, die auf ihrer Plattform aufgeschaltete Crowdfunding-Kampagne für die Volksinitiative No Billag «per sofort zu beenden», wie Simone Mathys-Parnreiter, bei WeMakeit für die Kommunikation zuständig, den «lieben Unterstützern der Kampagne Volksinitiative No Billag» am Montag mitteilt.

Zur Begründung heisst es, «infolge einer äusserst kurzen Einreichefrist» habe die Kampagne «leider nicht rechtzeitig geprüft» werden können, wofür man sich entschuldige. Nachdem die Prüfung nun offenbar erfolgt ist, lässt WeMakeit verlauten, man halte «die extreme Stossrichtung der Initiative für staatspolitisch gefährlich» und werde «dieser auf keinen Fall eine Plattform bieten».

Auch bei WeMakeit sei man nicht mit jedem Fernsehprogramm, jeder Radiosendung und jeder Website unter dem Dach der SRG zufrieden, heisst es weiter. «Eine vollständige Privatisierung als Folge der Umsetzung der Initiative würde aber zu einem medialen Einheitsbrei führen, den sich niemand ernsthaft wünschen kann.» WeMakeit wird nun bereits erfolgte Zahlungen «vollständig zurückerstatten».

«Ein Akt der Willkür»

Auf Nachfrage hin erklärt WeMakeit-Mann Johannes Gees, dass die Plattform «ein Privatunternehmen mit einer eigenen Meinung» sei und man in diesem Fall das zur Diskussion stehende Anliegen «als Staatsbürger» nicht teilen könne. Die No-Billag-Angelegenheit sei übrigens nicht völlig einzigartig. Es gebe immer wieder Fälle, bei denen man sagen müsse, sie passten nicht auf WeMakeit.

In einer ersten Stellungnahme nennt Oliver Kessler vom Verein No Billag den Entscheid «einen Akt der Willkür» sowie «einen Affront gegenüber den rund 170 Personen, die bereits gespendet» hätten. Kessler: «Von einer Schweizer Firma hätten wir ein besseres Verständnis für die Funktionsweise der direkten Demokratie erwartet.» Schliesslich hätten über 112'000 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Initiative unterzeichnet, und die Bundeskanzlei habe sie geprüft und für gültig befunden, so Kessler. Man suche jetzt «nach einer anderen technischen Lösung für unser Crowdfunding».

cla

Mehr dazu: Der Kommentar unseres publizistischen Leiters Pascal Hollenstein: Noch sitzt die SRG auf dem zu hohen Ross

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