Kommentar

Gesundheitscheck für Autofahrer: Sicherheit geht vor

Michel Burtscher über das Vorhaben, das Autofahrer erst ab 75 Jahren regelmässig zur ärztlichen Kontrolle müssen.
18. Mai 2017, 07:15

Autofahrer im Rentenalter sollen mehr Eigenverantwortung bekommen. Statt mit 70 sollen sie darum künftig erst mit 75 zum ersten obligatorischen Gesundheitscheck, mit dem geprüft wird, ob sie fahrtüchtig sind. So wollen es National- und Ständerat. Nun hat der Bundesrat verlauten lassen, dass er das Ansinnen unterstützt. Es wäre eine Überraschung, wenn das Parlament seine Meinung noch ändern würde. Dabei wäre es aber richtig, die Vorlage zu versenken – der Verkehrssicherheit zuliebe.

Die Verfechter der Gesetzes­änderung haben durchaus Recht, wenn sie sagen, dass ältere Menschen heute länger fit und gesund sind als früher. Es ist jedoch ein Fakt, dass mit zunehmendem Alter die Reaktions­geschwindigkeit sowie Hör- und Sehkraft abnehmen. Verkehrsmediziner warnen denn auch vor einer Änderung der heutigen Regelung. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass diese gut funktioniert und zu mehr Sicherheit auf den Strassen führt. Jedes Jahr geben Tausende Senioren zwischen 70 und 74 ihren Führerausweis freiwillig ab – laut Bund meist anlässlich einer Untersuchung beim Arzt.

Das alles weiss auch der Bundesrat. Er will die neue Regelung deshalb mit flankierenden Massnahmen ergänzen. Mit mehr Information und Sensibilisierung soll erreicht werden, dass sich Autofahrer ab 70 mit ihrer Fahreignung befassen. Es ist jedoch sehr unwahrscheinlich, dass dadurch der gleiche Effekt erzielt wird wie mit einem Besuch beim Arzt, der im persönlichen Gespräch Ratschläge geben kann. Die neue Regelung wird auch mit diesen Massnahmen dazu führen, dass sich viele Senioren in ihr Auto setzen, obwohl sie eigentlich nicht mehr hinters Steuer gehören.

Michel Burtscher

schweiz@luzernerzeitung.ch


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