Stunde der Wahrheit für die Spitäler naht

HOCHSPEZIALISIERTE MEDIZIN ⋅ Die grosse Zahl von Rückmeldungen auf die Leistungszuteilungen in der Bauchchirurgie geben einen Hinweis auf den Widerstand der Spitäler – und mögliche Gerichtsverfahren.
12. Februar 2018, 04:39

Wer soll künftig noch die grossen chirurgischen Eingriffe zwischen Speiseröhre und Enddarm durchführen dürfen? Diese Frage treibt derzeit Dutzende Schweizer Spitäler um, die in der sogenannten «komplexen hochspezialisierten Viszeralchirurgie» tätig sind.

Grund für die erhöhte Nervosität ist die interkantonale Planung der hochspezialisierten Medizin (HSM), die sich derzeit in einer entscheidenden Phase befindet. Das aus kantonalen Gesundheitsdirektoren bestehende HSM-Beschlussorgan hat zwischen Mitte Dezember und Ende Januar die geplanten Leistungszuteilungen in die Vernehmlassung geschickt.

Auch wenn bei der federführenden Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) noch keine qualitativen oder quantitativen Aussagen gemacht werden, ist bei der Projektleitung von «sehr vielen Rückmeldungen» die Rede. Was nichts anderes bedeuten kann, als dass sehr viele Spitäler mit den Zuteilungen nicht einverstanden sind und dies dem Beschlussorgan zur Kenntnis gebracht haben. Nach Aussage der Projektleitung werden die Stellungnahmen zunächst dem Fach- und in der Folge dem Beschlussorgan unterbreitet. Dieses wird letztlich über die Zuteilungen zu entscheiden haben.

Dass in der Folge von Spitälern, die leer ausgehen, der Rechtsweg beschritten wird, gilt als sehr wahrscheinlich. Auch der Präsident des Beschlussorgans, der Glarner Gesundheitsdirektor Rolf Widmer, ging schon im Oktober, da der erläuternde Bericht zur komplexen Viszeralchirurgie vorgestellt wurde, davon aus, dass sich das Bundesverwaltungsgericht mit Beschwerden wird befassen müssen. Und der Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz, der Zürcher Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger, sagte jüngst, es sei damit zu rechnen, dass mitunter der gerichtliche Weg beschritten werde. Die Koordination und Konzentration von hoch spezialisierten Leistungen ebenso wie die Einführung von Mindestfallzahlen, sagt Heiniger, sei «steinig».

 

Balz Bruder


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