Kommentar

Überwachung kann auch nützlich sein

Pascal Hollenstein, Leiter Publizistik, über den Einsatz von Bodycams bei der Polizei.
13. April 2018, 19:26

Sollen uniformierte Polizisten standardmässig mit so genannten Bodycams ausgerüstet werden? Ja, findet jetzt der Stadtzürcher Polizeivorsteher Richard Wolff nach einem breit angelegten Feldversuch. Dass Polizisten jederzeit ihren Einsatz filmen können, habe eine deeskalierende Wirkung und verringere Gewalt an Polizisten. Die Logik: Wer damit rechnen müsse, gefilmt zu werden, der überlege sich eher drei als zwei Mal, ob er einen Ordnungshüter anpöbeln und drangsalieren wolle. Die Bodycam, so das Argument, schützt damit die Polizei.

Ob dieser Zusammenhang auch wirklich stringent ist, wird in internationalen Studien zwar bezweifelt. Auch der Zürcher Versuch hat keine statistisch signifikante Korrelation gezeigt. Dennoch ist der Einsatz von Bodycams sinnvoll. Denn die so erhobenen Daten sind auch nach dem eigentlichen Polizeieinsatz nützlich: Zur Strafverfolgung von Übergriffigen gegenüber der Polizei einerseits. Aber auch als Beweismittel für Bürger, die Opfer unverhältnismässiger polizeilicher Mittel geworden sind. Man muss dabei nicht an die schrecklichen Bilder denken, die uns von kriminell agierenden Polizisten aus den USA in den vergangenen Jahren immer wieder erreicht haben. Fakt ist: Auch hierzulande ist nicht jeder Polizist bei jedem Einsatz über jeden Zweifel erhaben.

Bodycams nützen also sowohl den Polizisten als auch den Bürgern. Sie schaffen eine notwendige Kontrolle dort, wo zwangsläufig ein Ungleichgewicht der Zwangsmittel besteht. Mit einem polizeilichen Überwachungsstaat haben sie nichts zu tun. Es ist an der Zeit, dass auch andere Polizeikorps ernsthaft darüber nachdenken, sich dieses Mittels zu bedienen.

Pascal Hollenstein

pascal.hollenstein@luzernerzeitung.ch

 


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