Vor neuer Milliarde für Olympische Winterspiele

SION 2026 ⋅ Der Bundesrat entscheidet demnächst über eine erneute Olympia-Kandidatur der Schweiz. Die Begeisterung in der Landesregierung und in den sportaffinen Teilen des Parlaments ist gross – doch die Gegner bringen sich bereits in Stellung.
08. Oktober 2017, 08:09

Wie tief soll die Schweiz trotz knapper Kassen in die Tasche greifen, um 2026 die Olympischen Winterspiele austragen zu können? Mit dieser Frage befasst sich am Mittwoch der Bundesrat.

Das Komitee «Sion 2026», das die gemeinsame Kandidatur der Kantone Wallis, Waadt, Bern und Freiburg unter dem Motto «Die Spiele im Herzen der Schweiz» promotet, hat 1,65 Milliarden Franken budgetiert. 650 Millionen Franken steuert das Internationale Olympische Komitee (IOC) bei. Beobachter gehen davon aus, dass der Bundesrat wieder einen Beitrag von 1 Milliarde Franken sprechen wird – ähnlich wie beim letzten Anlauf für eine Schweizer Olympia-Kandidatur, der 2013 am Bündner Stimmvolk gescheitert ist.

Skeptisch ist dem Vernehmen nach insbesondere SP-Justizministerin Simonetta Sommaruga. Ihr Parteikollege Alain Berset sieht die Vorteile für seinen Kanton Freiburg, ebenso Sportminister Guy Parmelin (SVP). Letzterer stehe der Kandidatur «nicht euphorisch, aber offen und engagiert» gegenüber, sagt der Berner SP-Ständerat Hans Stöckli, Vizepräsident des «Sion 2026»-Komitees. Finanzminister Ueli Maurer (SVP) soll zwar angesichts des finanzpolitisch engen Korsetts einen Aufschub der Kandidatur bevorzugen. In seiner Zeit als Sportminister hatte er sich aber mit derart viel Verve ins olympische Feuer geworfen, dass seine Begeisterung noch nachglühen dürfte.

Satte Mehrheit zeichnet sich ab

Der Berner Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP) behält die wirtschaftlichen Vorteile für das Land und den Kanton Bern im Auge. FDP-Aussenminister Didier Burkhalter wiederum kann als Westschweizer schlecht gegen die Westschweizer Kandidatur antreten. Kurz: Im Bundesrat zeichnet sich eine satte Mehrheit ab.

Zumal die Spiele gemäss Reformagenda des IOC eine Abkehr vom bisherigen Gigantismus markieren sollen. Es geht um dezentrale und bescheidene Spiele, für die möglichst bestehende Anlagen genutzt werden und die «dort stattfinden, wo auch tatsächlich der Schnee fällt», wie es Stöckli einst formulierte.

Die sportaffinen Parlamentarier zweifeln denn auch nicht am bundesrätlichen Ja: «Ich bin zuversichtlich, weil es ein gutes Projekt ist und wir jeden Tag daran arbeiten, dass es noch besser wird», sagt Swiss-Olympic-Präsident und Nationalratspräsident Jürg Stahl (SVP). «Ich gehe davon aus, dass der Bundesrat es als Chance für den Sport allgemein und für den olympischen Gedanken anschaut», erklärt der Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer, Präsident der parlamentarischen Gruppe Sport.

Die Gegner sehen das gleich – und bringen sich in Stellung. So erkundigt sich die Bündner SP-Nationalrätin Silva Semadeni, die schon das olympische Feuer in ihrem Kanton gelöscht hatte, per Vorstoss nach der Sicherheitslage. Und wirft die Frage auf, wo der Bundesrat den Milliardenbetrag einzusparen gedenke.

Die Grünen sammeln Unterschriften für eine Petition, um «Sion 2026» vors Volk zu bringen, und bündeln die gegnerischen Kräfte. Erste Treffen mit den Umweltverbänden haben laut der grünen Genfer Nationalrätin Lisa Mazzone bereits stattgefunden. Nach dem Entscheid des Bundesrats soll der Kampf dann so richtig losgehen.

 

Eva Novak


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