Nobelpreis: Was wir vom jüngsten Erfolg lernen können

KOMMENTAR ⋅ Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag», schreibt, welche Erkenntnisse sich aus dem Nobelpreis für den Schweizer Chemiker Jacques Dubochet gewinnen lassen.
08. Oktober 2017, 07:58

Was für eine Geschichte! Jacques Dubochet war kein Vorzeigeschüler. Dass ihm später einmal mit 75 für die Entwicklung des Kryo-Elektronenmikroskops der Nobelpreis für Chemie verliehen wird, zeichnete sich damals nicht ab. Dubochet leidet an Dyslexie, einer Lese- und Rechtschreib­störung, die bei ihm erst in der Oberstufe von einem Lehrer entdeckt wurde. Jacques Dubochet hat gleichwohl Karriere gemacht. Seit Mittwoch ist er der 28. Schweizer Nobelpreisträger. Es gibt also allen Grund, stolz zu sein. Zudem lassen sich aus dem jüngsten wissenschaftlichen Erfolg einige Erkennt­nisse gewinnen:

- Beharrlichkeit zahlt sich aus: Dubochet hat bereits als Schüler kämpfen gelernt. Das kam ihm später zugute. Seine wissenschaft­liche Entdeckung machte er in den 70er- und 80er-Jahren. Der Durchbruch gelang ihm erst in den letzten Jahren, als auch die technischen Möglichkeiten dazu gegeben waren. Dazwischen lagen viele Jahre der Unsicherheit. ­Beharrlichkeit zahlt sich also aus, erst recht, wenn sie gepaart ist mit ein wenig Risikofreudigkeit.

- Forschung ist Teamarbeit: Ein Spitzenforscher macht noch lange keinen Nobelpreisträger aus. Bahnbrechende Entdeckungen ­reifen im Team. So wurden am Mittwoch mit Jacques Dubochet zwei weitere Forscher der Uni Lausanne ausgezeichnet: Joachim Frank (USA) und Richard Henderson (GB).

- Die Schweiz ist ein gutes Biotop für Wissenschafter: Gerade der Erfolg von Dubochet und seinem Team zeigt, dass die Schweiz international deshalb so erfolgreich ist, weil unser Land Spitzenforscher aus dem Ausland anzieht. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, dazu gilt es Sorge zu tragen. Dies sollte ins­besondere auch der Bundesrat im Hinterkopf behalten, wenn er das nächsteMal die Kontingente für ausländische Fachkräfte aus Drittstaaten festlegt. Die Schweiz kann es sich in der Bildung nicht leisten, sich abzuschotten.

- Gute Schulen brauchen gute Lehrer und Dozenten: Wir sind nicht ganz zu Unrecht stolz auf unser duales Bildungssystem und unsere Universitäten. Wichtig ist nicht nur, dass sie über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen, sondern auch über gut ausgebildete Lehrer. Handicaps dürfen kein Karrierehindernis sein.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch


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