Bürokratisch

Wohnkompetenz

12. November 2017, 04:38

Das Handeln des Bundes fusst auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Deshalb bestellt er eifrig Studien. Zum Beispiel zum Thema Wohnen. Bis jetzt ging der gemeine Bürger davon aus, dass Sach-, Selbst- und Sozialkompetenz reichen, um den Wohnalltag erfolgreich zu bestreiten. Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) belehrt uns jetzt eines Besseren. Zu fördern gilt es demnach eine bessere «Wohnkompetenz», namentlich bei Personen mit Asylhintergrund (AH). Die entsprechende BWO-Medienmitteilung trägt den Titel «Wohnversorgung benachteiligter Haushalte». Man merke: Potenziell benachteiligt sind nicht nur Bewohner, sondern auch die Haushalte. Wer oder was immer damit genau gemeint ist. Auch die Wortschöpfung «Wohnkompetenz» enträtselt das BWO nicht. Dafür bedarf es der Lektüre einer Studie, die das BWO knapp 50 000 Franken gekostet hat. Wohnkompetent sind Leute, die korrekt lüften, Güsel ­gemäss helvetischer Tradition entsorgen, Hausordnungen einhalten sowie Kochherd und Waschmaschine richtig bedienen. Auch spezifisch «schweizerische Grundkompetenzen» im Ungang mit Nachbarn gehören dazu.

Das sind schwierige Herausforderungen. Doch eine Lösung ist in Sicht. Fachleute fordern eine längerfristige Wohnbegleitung zwecks Steigerung der Wohnkompetenz. Immerhin: ­Einen Vorteil gegenüber erwerbslosen Schweizer Sozialhilfebezügern haben Personen mit AH-Hintergrund. Wegen mangelnder Sprachkenntnisse beschweren sie sich seltener bei den Vermietern. Bleibt nur zu hoffen, dass die amtlichen Stellen diesen Vorsprung nicht gleich wieder zunichtemachen. Ideen, die fehlende Motzkompetenz zu beheben, hätten sie bestimmt. (kä)

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