Bradley Birkenfeld packt aus

BANKEN ⋅ Vor zehn Jahren entfachte der UBS-Whistleblower Bradley Birkenfeld den Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA. Nun nennt er die Namen zweier US-Kunden, die in der Schweiz ihr Geld vor dem Fiskus versteckten.
19. April 2017, 09:30

Renzo Ruf, Washington

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

Bradley Birkenfeld macht seine Drohung wahr: Erstmals nennt der Whistleblower in seinen soeben auf Deutsch erschienenen Memoiren («Des Teufels Banker») die Namen zweier «politisch exponierter» Amerikaner, die ihr Geld vor dem US-Fiskus versteckten und die Dienste der UBS in Anspruch nahmen. Es handelt sich dabei um Leonard Lauder, den ehemaligen Konzernchef des Kosmetikunternehmens Estée Lauder Companies, und um Jack Manning, den Geschäftsführer der Immobilien­firma Boston Capital und engen Freund von Ex-Aussenminister John Kerry. Manning und Lauder, schreibt Birkenfeld in seinem Buch, «hatten undeklarierte und geheime Nummernkonten bei der UBS in Genf».

Lauder und Manning gehörten in der vergangenen Dekade zu den 400 reichsten Amerikanern – so schätzte das Wirtschaftsmagazin «Forbes» das Vermögen Lauders im Jahr 2006 auf knapp 3 Milliarden Dollar, während Manning etwas mehr als 1 Milliarde Dollar schwer war. Zwischenzeitlich hat sich Lauders Vermögen verdreifacht, während Mannings Name auf der «Forbes»-Liste nicht mehr auftaucht.

Die beiden angeblichen Besitzer von UBS-Nummernkonten waren aber auch einflussreiche Gönner der Demokratischen Partei. Und das ist, in den Augen von Birkenfeld, der eigentliche Skandal: Die Demokraten des damaligen Präsidenten Barack Obama und der damaligen Aussenministerin Hillary Clinton – die in Washington an der Macht waren, als der Steuerstreit zwischen den USA und der Schweiz förmlich explodierte – hätten ihre Klientel vor einer Strafverfolgung geschützt und stattdessen den Whistleblower zum Bauernopfer der Affäre gemacht. Birkenfeld wurde im Jahr 2009 zu einer Gefängnisstrafe von 40 Monaten verurteilt. Später erhielt er von der Steuerverwaltung IRS (Internal Revenue Service) eine Belohnung von 104 Millionen Dollar.

Eine Sprecherin der Estée Lauder Companies weist die ­Anschuldigungen Birkenfelds scharf zurück. «Das ist 100 Prozent falsch», sagt Alexandra Trower zu den Vorwürfen, der angesehene Philanthrop Leonard Lauder sei ein Steuerhinterzieher. Lauder, der Mitglied des Estée-Lauder-Verwaltungsrates ist, habe sich auch nie an einem Amnestie-Programm des US-Fiskus IRS beteiligt, sagt Trower. Und weiter: Birkenfeld habe ähnliche Anschuldigungen bereits im vorigen Herbst gemacht, als die amerikanische Originalausgabe seiner Memoiren publiziert wurde. Nach einer Intervention der Anwälte von Leonard Lauder habe sich der Verlag Greenleaf Book Press Group aber dazu entschieden, die bereits gedruckten Bücher einzustampfen und das Manuskript anzupassen.

Birkenfeld hält an eigener Version fest

Diese Darstellung trifft zu: In der amerikanischen Ausgabe des Birkenfeld-Buches fehlt die Passage, in der er die beiden angeblichen Steuerhinterzieher mit dem direkten Draht zu hohen Regierungskreisen enttarnt. Der Autor sagt auf Anfrage, dass dem US-Verlag das Rückgrat – auf Englisch greift Birkenfeld auf eine deftigere Formulierung zurück – gefehlt habe, «die Wahrheit» zu drucken. Er halte aber an seiner Version fest. Bereits Leonards Mutter Estée, die 2004 starb, habe «illegale Offshore-Konten bei der UBS» besessen, sagt Birkenfeld. Er wisse dies, weil er die Kosmetikunternehmerin beraten habe. Ihren Sohn Leonard Lauder habe er zwar nicht direkt betreut, aber persönlich getroffen. Auch habe er mehrfach mit seinem UBS-Vorgesetzten über den wichtigen Kunden gesprochen. Dokumente, die dies bewiesen, befänden sich schon lange im Besitz der amerikanischen Ermittlungsbehörden, sagt Birkenfeld. Aber das Justizministerium habe sich dazu entschieden, der amerikanischen Bevölkerung die Wahrheit vorzuenthalten.

Nicht direkt auf die Vorwürfe reagieren will hingegen Jack Manning. Eine direkte Anfrage lässt der Boston-Capital-Chef unbeantwortet. Und Allison Marino, Sprecherin des Immobilienunternehmens, sagt zu den Vorwürfen Birkenfelds bloss: «Kein Kommentar.»

Birkenfeld hält derweil an seiner Version fest. Bei Manning, der sein Vermögen mit dem Bau von Sozialwohnungen machte, habe es sich um «einen meiner Klienten» gehandelt, schreibt Birkenfeld in seinem Buch. «Er hatte ein geheimes Nummernkonto bei der UBS!» Er sei sich zudem sicher, dass Mannings Freund John Kerry – der während der heissen Phase des Steuerstreits im Senat politisierte – «alles darüber wusste».

Bei der Münchner Verlagsgruppe, die für die deutsche Version von Birkenfelds Buch verantwortlich zeichnet, gibt man sich unbeeindruckt von den Anschuldigungen gegen den Autor. Der Verlag vertraue Birkenfeld, sagt Sprecher Julian Nebel. Birkenfeld habe zugesichert, seine Vorwürfe belegen zu können.


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