Der Aktionär, der ein Wörtchen mitreden will

BETEILIGUNGEN ⋅ Der Zuger Investment-Fonds Veraison versteht sich als Aktionär, der sich bei Management und Verwaltungsrat Gehör verschaffen will. Nicht überall stösst dies auf Gegenliebe.

25. November 2016, 05:00

Irgendwann begannen die Komax-Aktionäre zu klatschen. Sie klatschten so lange, bis Andreas Herzog, Kampfkandidat für den Verwaltungsrat, seine Rede an der Komax-Generalversammlung vom vergangenen Mai beendete und die Bühne räumte. Herzog, Finanzchef des Ostschweizer Technologiekonzerns Bühler, war bei der anschliessenden Wahl chancenlos. Es blieb bei einem Achtungserfolg.

Vorgeschlagen worden war Andreas Herzog von Veraison. Die Zuger Beteiligungsgesellschaft hält seit September 2015 rund 5 Prozent der Komax-Aktien. Veraison versteht sich als aktiver Investor. Die Gesellschaft um Gregor Greber, Gründer des Vermögensverwalters zCapital, und den ehemaligen CEO des Hörgerätehersteller Sonova, Valentin Chapero, hat sich nach eigenen Angaben auf «unterbewertete oder vom Kapitalmarkt falsch verstandene Unternehmen» spezialisiert.

Interessante Firmen im Portfolio

Seit der Firmengründung 2014 hat sich Veraison ein interessantes Portfolio zusammengekauft. Neben Komax ist Veraison unter anderem an Ascom (5 Prozent), Leonteq (5 Prozent), Goldbach Media (16,3 Prozent), Orell Füssli (8,4 Prozent) und Mikron (10 Prozent) beteiligt. Ende Oktober übernahm sie zudem einen Anteil von 16,3 Prozent am Surseer Wäschehersteller Calida. «Wie bei allen von unseren Beteiligungen sehen wir, dass der Unternehmenswert nicht richtig reflektiert wird, und erkennen ein signifikantes Aufwärtspotenzial», erklärt Greber den Kauf des Aktienpakets von Calida.

Denn das ist das Geschäftsmodell von Veraison: Im Fokus hat Greber börsenkotierte Unternehmen, die schlecht laufen oder an der Börse unterbewertet sind. An diesen baut Veraison mit dem Geld von Investoren eine namhafte Beteiligung («zwischen 3 und 20 Prozent») auf.

Im Gegensatz zu den meisten Anlagefonds, Pensionskassen und anderen Aktionären begnügt sich Veraison aber nicht damit, passiv zuzuwarten, bis das Anlageobjekt Fahrt aufnimmt und an Wert gewinnt. «Wir wollen als Ankeraktionär aktiv Einfluss nehmen, um Strategie, Kapitalstruktur und Corporate Governance auf Vordermann zu bringen», sagt Greber. Hauptziel bleibt die Sicherung des Unternehmenswertes und – natürlich – die Steigerung der Rendite. Als Heuschrecke will er sich aber nicht verstanden wissen. «Wir suchen nicht den kurzfristigen Weg. Wir engagieren uns langfristig», betont Greber. Veraison hat nach eigenen Angaben einen Investmenthorizont von fünf Jahren oder auch länger. Baue Veraison eine Beteiligung auf, so mache man das transparent. «Jede Aktie wird ins Aktienregister eingetragen», sagt Greber. So sieht ein Unternehmen schnell, mit wem es zu tun hat.

Auch grenzt sich Veraison ab von aktiven Aktionären, die vornehmlich im angelsächsischen Raum Unternehmen mit ihren Forderungen auf Trab halten. Die Rede ist von Aktionären wie beispielsweise dem Amerikaner Carl Icahn, der Firmen attackiert, sprich eine Beteiligung erwirbt und dann Forderungen stellt. Icahn hatte unter anderem Apple-Papiere im Wert von mehreren Milliarden Dollar zusammengekauft und dann auf den Konzern massiv Druck gemacht, Anteilseigner über Aktienrückkäufe und Dividenden stärker an den Milliardengewinnen zu beteiligen. Apple knickte schliesslich ein und schraubte seine Ausschüttung an die Aktionäre stark nach oben.

Veraison hingegen setzt auf einen «konstruktiven Dialog». Dabei wird der Investmentfonds mit eigenen Analysen und Vorschlägen bei den Firmen vorstellig. Veraison führt etliche Gespräche mit dem Unternehmen und externen Experten und durchleuchtet die börsenkotierten Firmen im Vorfeld. «Bevor wir das Kapital einsetzen, führen wir jeweils eine detaillierte Risikoprüfung durch und machen mögliche Stell- und Werthebel in der Firma aus, um Unternehmenswerte zu schaffen», so Greber.

In Gesprächen mit Verwaltungsrat und Management wird die eigene Analyse präsentiert. Würde eine Firma eine derartige Analyse an einen externen Berater vergeben, würde dies bis zu einer Million Franken kosten, betont der Zuger Investmentfonds. Im Gegenzug will Veraison als Aktionär Einfluss nehmen und «Verantwortung tragen». Bei Ascom und Goldbach Media sitzt mit Valentin Chapero ein Veraison-Partner bereits im Verwaltungsrat.

«Intensive» Gespräche mit den Unternehmen

Nicht immer stossen die Kritik oder Verbesserungsvorschläge seitens des Investors auf Gegenliebe. Die Diskussionen mit Management und Verwaltungsrat seien bisweilen «intensiv». Zu den Plänen bei den einzelnen Unternehmen will sich Greber nicht äussern. «Wir sprechen nicht über die Unternehmen, sondern mit den Unternehmen», sagt Greber.

Gerade beim jüngsten Zukauf Calida dürfte es spannend sein, wie sich Veraison positioniert. Stützt der umtriebige Aktionär die Strategie unter dem neuen CEO Reiner Pichler, die auf organisches Wachstum setzt? Oder fordert Veraison eine Rückkehr zu den Zukäufen, die der im Frühjahr abgetretene CEO Felix Sulzberger forciert hatte? Auf jeden Fall dürfte es – anders als bei Komax – nur eine Frage der Zeit sein, bis Veraison ein Mandat im Verwaltungsrat beanspruchen und wohl auch erhalten wird.

Roman Schenkel


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