Doch keine «Fake-News» – Sika-Familie zweifelt an Saint-Gobain-Lösung

BAAR ⋅ Die Sika-Erben haben immer weniger Freude am geplanten Verkauf ihrer Stimmrechtsaktien nach Frankreich. Ein Bericht legt offen: Die Familie überlegt sich Alternativen.
16. April 2017, 11:15

Es war ein grosses Thema an der Sika-Generalversammlung vom letzten Dienstag in der Baarer Waldmannhalle: Denkt die Familie Burkard darüber nach, den Verkauf ihrer Anteile an Saint-Gobain abzublasen und eine neue Lösung zu suchen – im Einvernehmen mit der Firmenführung? Ein entsprechender Bericht in der «Sonntags-Zeitung» kolportierte, dass Erbensprecher Urs Burkard gegenüber einem Analysten von Bernstein Research in London geäussert habe, die Familie sehe ein, dass ihr Deal mit Saint-Gobain der Sika schade.

Als Fake-News und manipulative Berichterstattung bezeichnete Urs Burkard in seiner Rede vor der Generalversammlung den Bericht. Die Familie stehe weiterhin stolz hinter dem Vertrag mit Saint-Gobain. Gleichentags verkündete die «Weltwoche» auf ihrer Homepage, der umstrittene Artikel sei manipulativ und entspreche nicht der Wahrheit. Gegenüber unserer Zeitung bestätigte der Bernstein-Analyst hingegen seine Aussagen.

Nun hat die Sonntags-Zeitung den viel zitierten Analystenbericht im Original veröffentlicht. Die Dokumente legen offen, dass Urs Burkard Bernstein Research gegenüber in einem zweistündigen Gespräch erklärte, dass die Familie nicht mehr überzeugt sei von ihrem Vorhaben. Der Analyst schreibt: «Die Familie gibt zu, dass die aktuelle Struktur des Deals umständlich ist und für Sika zu Störungen führen wird, falls Saint-Gobain in zwei Jahren übernehmen wird.» Darauf zitiert er Urs Burkard: «Es wird sicherlich ein Problem geben für Sika.» Der Analyst kommt zum Schluss: «Wir haben den Eindruck, dass die Familie am liebsten wieder ihre Stimmrechte zurück hat, statt ihre Anteile an Saint-Gobain zu verkaufen.»

Sika ist heute wesentlich mehr Wert

Hintergrund für diesen Sinneswandel der Familie Burkard könnte der Widerstand des Sika-Verwaltungsrates sein, durch den der Verkaufsvertrag seit über zwei Jahren blockiert ist. Es könnte aber auch der Aktienkurs sein, der die Erben zum Umdenken führte. Mittlerweile ist der Kurs so stark gestiegen, dass die Burkards bei einem heutigen Verkauf bis zu einer Milliarde Franken mehr erhalten könnten.

Ernst Meier

Video: Die Schlacht um Sika

Es ist ein Übernahmestreit, wie ihn die Schweiz noch nie erlebt hat: Der Kampf um den Baarer Sika-Konzern. Ein Dokumentarfilm durchleuchtet die Hintergründe des Konflikts. (Tele 1, 27.12.2016)




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