Nachgefragt

«Eine 50-Prozent-Chance, dass wir uns durchsetzen»

CS ⋅ Direktor der Anlagestiftung Ethos, Vincent Kaufmann, zu den Boni der CS-Chefs.
20. April 2017, 07:30

Vincent Kaufmann, die CS-Führung hat auf die Kritik an den Cheflöhnen reagiert und erklärt, dass man auf einen Teil der Boni für 2016 und 2017 verzichtet. Rund 30 Millionen Franken will die Bank dabei einsparen. Weshalb reicht Ihnen das nicht?

Trotz der Sparvorschläge will die CS ihren Chefs für 2016 Boni auszahlen; statt der ursprünglich vorgesehenen 26 Millionen noch 17 Millionen Franken. Wir sind aber der Meinung, dass gar keine Boni für das vergangene Jahr ausbezahlt werden dürfen, weil der Leistungsausweis mit einem Konzernverlust und dem Abbau von Arbeitsplätzen keine Boni rechtfertigt. Die CS-Chefs versuchen mit dem freiwilligen Verzicht, den Grossteil ihrer Boni zu retten. Die Gefahr wurde zu gross, dass die GV Nein sagt zu den 26 Millionen Franken Boni.

Wo sehen Sie die angemessene Entlöhnung für die CS-Chefs?

Für 2016 erachten wir die Grundsaläre als hoch genug. Im Vergleich zu anderen Banken sind die CS-Chefs fair entlöhnt. Wegen der hohen Verluste darf es keine Bonizahlungen zusätzlich geben. Bei künftigen Boni erwarten wir klare Transparenz: Es muss im Vorfeld immer klar sein, an welchen Leistungszielen die Zahlungen gemessen werden.

Sie lehnen auch die Wiederwahl von Präsident Urs Rohner ab. Warum?

Urs Rohner war zwischen 2004 und 2009 Mitglied der Geschäftsleitung und ist seit 2009 im Verwaltungsrat. Er ist seit sechs Jahren sogar Präsident des Gremiums. Er verkörpert jene Strategie, welche die Bank in die heute missliche Lage gebracht hat. Jahrelang hielt man an der problembehafteten Investmentbank fest. In Rohners Ära haben sich die Verluste summiert, es wurden Tausende Stellen abgebaut, und der Aktienkurs hat sich mehr als halbiert. Die Glaubwürdigkeit Urs Rohners ist schwer beschädigt. Das Gleiche gilt für seinen Vizepräsidenten Richard Thornburgh. Er ist seit 2006 im Verwaltungsrat und war Vizechef der Investmentbank. Deshalb lehnen wir die Wiederwahl von beiden ab. Es braucht neue Personen, um das Vertrauen in die Bank zurückzubringen.

Wer soll die CS künftig führen?

Es ist nicht unsere Aufgabe, zu entscheiden. Dies muss der Verwaltungsrat prüfen und den Aktionären einen Vorschlag machen. Kurzfristig sollte ein Interimspräsident aus dem Gremium bestimmt werden.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass Sie und die anderen kritischen Aktionäre sich an der GV durch­setzen?

Bei der Abstimmung über die Boni 2016 wird es grossen Widerstand geben. Mit der Änderung ist das jetzt schwer abzuschätzen. Ein Nein zu den Boni wäre eine Premiere und auch als positive Folge der Abstimmung über die Minder-Initiative zu werten. Der Druck auf die Boni ist gestiegen, weil seither jährlich über die Cheflöhne abgestimmt werden muss.

Wie realistisch ist die Abwahl von CS-Präsident Urs Rohner?

Das ist schwer abzuschätzen. Ich denke nicht, dass die Aktionäre hier schon so weit sind und der Druck auf einen Wechsel gross genug ist. Grosse Fonds haben Urs Rohner die Unterstützung versprochen. Ein Nein-Anteil von über 20 Prozent wäre sicherlich ein Achtungserfolg.

Interview: Ernst Meier


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