Erhellende Erkenntnis aus einer Nacht im Testzimmer

HOTELS ⋅ Wie sieht ein modernes Hotelzimmer aus? Im «Radisson Blu» in Luzern will man es genau wissen. Und testet bereits jetzt, was ab 2017 Standard sein soll. Wir haben uns schon mal hingelegt.
20. März 2016, 05:00

Dominik Buholzer

Man hat mich gewarnt. Es könne durchaus sein, dass das eine oder andere vielleicht noch nicht so funktioniere, wie es sollte. «Wir können ein Zimmer zwar zusammen mit dem Architekten entwerfen. Ob sich das Konzept bewährt, zeigt sich erst im Härtetest», sagte mir Markus Conzelmann, Direktor des Hotels Radisson Blu in Luzern. Was er damit meinte, wurde mir kurz vor Mitternacht bewusst. Die Bewegungsmelder sind zu sensibel. Auf einmal ist es unerwartet hell im Zimmer. «Wahrscheinlich hat der Vibrationsalarm ihres Smartphones dazu geführt, dass das Licht anging», meint Conzelmann am nächsten Morgen lachend.

Schwachstellen aufdecken

Die Vorrichtung ist eigentlich gar nicht so schlecht: Wenn ein Gast mitten in der Nacht auf die Toilette muss, gehen gleich unten bei den Fliesen neben dem Bett die Lichter an. Das mühsame Suchen nach dem Schalter bleibt dem Hotelgast also erspart. Sobald er wieder im Bett liegt, wird es nach wenigen Sekunden dunkel. So war es zumindest angedacht. Wie sich nun zeigt, weist die Technik noch ein paar Kinderkrankheiten auf. Aber genau darum ging es: die Schwachstellen im neuen Zimmer herauszufinden.

Teppich aus Fischernetzen

Zimmer 331 und 335 gibt es im «Radisson Blu» eigentlich gar nicht. Noch nicht. Sie sind Testzimmer. Die Einrichtung ist neu, die farbliche Abstimmung aber nicht ganz ausgereift. «Und das eine oder andere werden wir sicherlich noch auswechseln», sagt Conzelmann. Nach zehn Jahren Betrieb oder knapp 1 Million Gäste werden im kommenden Winter 165 Zimmer neu ausgestattet: grössere Fernseher (mindestens 48 Zoll), die auch mit dem eigenen Smartphone gekoppelt werden können, grössere Betten (Standard ist neu eine Länge von 2,10 Meter statt 2,0 Meter), neue Stühle, ein neuer Tisch und neue Böden. In den im Preis leicht gestiegenen Zimmern mit Seesicht wird Eichenparkett verlegt, in den anderen wird es ein Teppich aus Fischernetzen sein.

Investitionsbedarf ist hoch

Ein Hotelzimmer einzurichten, ist eine Philosophie für sich. Ein Bett, ein Fernseher und ein Tisch mit einer Bibel genügen längst nicht mehr. «Der Gast will mehr Platz, mehr Komfort. Es soll ein Stück weit zu einem temporären Wohnzimmer werden», so Conzelmann. Flexibilität ist ebenso wichtig. Gerade bei arabischen Touristen kommt es immer wieder vor, dass zwei Personen angemeldet sind, aber dann auch noch ein Kind mit anreist. Dann braucht es schnell noch ein drittes Bett. Allein im vergangenen Jahr musste das «Radisson Blu» 36 Mal eine zusätzliche Schlafmöglichkeit aus Engelberg besorgen. Künftig erübrigt sich das, denn das Sofa lässt sich in ein Bett umwandeln.

Der Investitionsbedarf bei Hotels ist hoch. Der Dachverband Hotelleriesuisse geht davon aus, dass wegen dem starken Franken und den Folgen der Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative der finanzielle Spielraum für viele Häuser eingeschränkt sein wird. Insbesondere ausländische Investoren dürften zuwarten. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. «Hotelbesitzer sind gezwungen, ihre Gebäude und Angebote zu modernisieren, um trotz des starken Frankens wettbewerbsfähig zu bleiben», schreibt Hotelleriesuisse.

2015 war ein Rekordjahr

Am Inseliquai in Luzern sind die Voraussetzungen dazu geradezu günstig. Das «Radission Blu» hat sich zu den erfolgreichsten Häusern auf dem Platz Luzern gemausert. Das vergangene Jahr war das erfolgreichste seit der Eröffnung. Das Erfolgsrezept ist unter anderem im Gästemix zu suchen. Ein Drittel der Einnahmen generiert das Haus über Gruppenreisen, ein Drittel über Individualtouristen und das letzte Drittel machen Geschäftsreisende aus. 30 Gäste zählen schon fast zum Inventar. Sie logieren – berufsbedingt – von Montag bis Freitag bei Conzelmann.

165 Mal den gleichen Fehler

Nach zehn Jahren wird den 165 Zimmern des «Radisson Blu» also ein Facelifting verpasst. Das will geplant sein, und Fehler sollten frühzeitig erkannt werden, sonst «nervst du dich nachher 165 Mal», schiebt Conzelmann nach. Deshalb wird das Haus regelmässig ausgewählte Gäste in seinen beiden Testzimmern übernachten lassen. Einzige Bedingung: Sie sollen ein Feedback abgeben. Im Juni wird entschieden, ob die Versuche fortgeführt werden oder ob bereits das definitive Inventar bestellt wird.

Die neuen Zimmer des «Radisson» wirken aufgeräumt, modern, chic. «Wie war das Bett? War die Matratze nicht zu hart?» will Conzelmann noch wissen. Diesbezüglich habe ich nichts zu monieren. «Schön und angenehm.» Der Hoteldirektor lächelt. Wirklich überzeugt hat ihn die Antwort nicht. «Gut, aber jetzt ist es höchste Zeit, dass wir die Zimmer von weiteren Gästen testen lassen.»


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