Gao erhält nur Casino-Genussscheine

LUZERN ⋅ Aktien nein, Genussscheine ja: Das Casino Luzern verweigert dem chinesischen Investor zwar die Aktieneintragung, die Genussscheine kann er aber übernehmen.
03. Februar 2017, 22:04

Roman Schenkel

roman.schenkel@luzernerzeitung.ch

Das Nein hat schweizweit für Überraschung gesorgt. Während Gästen aus China überall der rote Teppich ausgerollt wird, hat das Casino Luzern dem chinesischen Investor Yunfeng Gao die Türe vor der Nase zugeschlagen. Das Casino verweigerte ihm den Eintrag eines Aktienpakets von 5 Prozent. Gao, der neben dem Luzerner Hotel Palace weitere Hotels in Engelberg und auf der Melchsee-Frutt besitzt, hatte die Aktien ein halbes Jahr zuvor von einem privaten Verkäufer via seine First Swiss Hotel Collection AG erstanden. Der Casino-Verwaltungsrat um Präsident Guido Egli und Vizepräsident Philipp Gmür begründeten das Nein mit Bedenken um die Selbstständigkeit, der lokalen Verankerung und der Unabhängigkeit.

Nun zeigt sich, dass das Nein nicht ganz konsequent war. Während das Casino das Aktienpaket von 5 Prozent nicht hat eintragen lassen, hat der Verwaltungsrat die 1100 Genussscheine à je 360 Franken, welche die First Swiss Hotel Collection ebenfalls eingereicht hat, hingegen akzeptiert. Der Besitzer eines Genussscheines hat dieselben Vermögensrechte – auf Dividende und Liquidationsanteil – wie bei einer Namenaktie. Inhaber von Genussscheinen haben jedoch kein Stimmrecht. Insgesamt hat das Casino 4000 Genussscheine ausgegeben.

Casino-Präsident Guido Egli bestätigt gegenüber unserer Zeitung die Annahme der 1100 Genussscheine. Für ihn ist die unterschiedliche Behandlung der Papiere kein Widerspruch: «Die Genussscheine sind nicht von dieser Regelung betroffen. Es spricht nichts dagegen, sie an die First Swiss Hotel Collection zu übertragen.» Wäre es nicht konsequent gewesen, auch das Eintragen der Genussscheine zu verweigern? «Nein», findet Egli, «die Genussscheine sind Papiere ohne Mitspracherecht.» Für den Verwaltungsrat seien im Fall Yunfeng Gao nur die Aktien entscheidend gewesen. Unklar ist, ob die First Swiss Collection die Genussscheine überhaupt eintragen lassen will oder ob sie diese mit den Aktien dem Verkäufer zurückgeben wird.

Stadt Luzern steht hinter Entscheid

Mit 11 Prozent ist die Stadt Luzern der grösste Einzelaktionär des Luzerner Casinos. Der Stadtrat stützt auf Anfrage den Entscheid des Casino-Verwaltungsrats, Yunfeng Gao als Aktionär abzulehnen. Die Begründung von Guido Egli, dass man Sorge um das Gleichgewicht der Tourismusanbieter habe, sei für die Stadt plausibel. «Andere Hotels haben Beteiligungen von höchstens 0,5 Prozent. Das Aktionariat des Casinos ist aber geprägt von sehr vielen Kleinaktionären», sagt Ursula Eiholzer von der städtischen Finanzverwaltung. Eine Beteiligung von 5 Prozent wäre daher im Vergleich zu anderen Gesellschaften zu bedeutend. «Der Stadtrat hat deshalb keinen Anlass, in den ablehnenden Entscheid andere Motive zu interpretieren», sagt sie.

Wie stark die Stadt in den Entscheid rund um Yunfeng Gao involviert war, ist nicht ganz klar. In der Rechnung 2015 steht schwarz auf weiss, dass die Stadt keinen Vertreter im Verwaltungsrat des Casinos hat. Doch das ist nur Theorie, in der Praxis hat die Stadt sehr wohl einen Vertreter: Laut Finanzverwaltung nimmt die Vertretung der Stadt Luzern beim Casino der ehemalige Stadtrat Franz Müller wahr. Dieser ist 1992 qua seines Amtes ins Aufsichtsgremium gewählt worden. Nach seinem Rücktritt als Stadtrat 2009 hat man dies so belassen. Solange Müller beim Casino im Amt sei, verzichte der Luzerner Stadtrat auf einen direkten Vertreter, heisst es bei der Stadt. Eine schriftliche Vereinbarung bestehe nicht. «Franz Müller rapportiert aber regelmässig dem Stadtrat, das ist mündlich vereinbart», betont Eiholzer.

Kein Kommentar ist von der Luzerner Kantonalbank zu erfahren. Sie betrachtet die Casino-Anteile als «reines Finanzinstrument». Man äussere sich nicht zu Einzelentscheidungen der Casino-Organe. Weitere 5 Prozent gehören Freddy Burger, dem früheren Hotel-Flora-Besitzer und Ex-Manager des verstorbenen Schlagerstars Udo Jürgens. Knapp 5 Prozent hält die ER Group rund um Financier Erwin Röösli, zwei weitere Private halten zusammen 8,6 Prozent, und 3,7 Prozent gehören dem Kanton Luzern. Hinzu kommen rund 2500 Kleinaktionäre.

Zunahme chinesischer Individualreisender

Der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren wertet den Entscheid des Casinos nicht als negativ für die Tourismusstadt Luzern. Er vertraut dem Casino-Verwaltungsrat. «Die Zahl chinesischer Gäste im Casino steigt auch ohne ein Investment von Yunfeng Gao», sagt Perren. Luzern sei der wichtigste Ort für Touristen aus China in der Schweiz. «Über 30 Prozent aller chinesischen Gäste übernachten in der Region Luzern», sagt Marcel Perren.

Dass das Casino im Gegensatz zu Bergbahnen, zur Schifffahrt oder zur Uhrenbranche weniger von den chinesischen Touristen profitiere, liege vor allem daran, dass die Mehrheit der Chinesen in Gruppen reise. «Gruppenreisende bleiben im Schnitt nur 1,3 Nächte in Luzern, während Individualreisende 2,1 Nächte vor Ort bleiben», erklärt Perren. Bei den Gruppenreisenden fehle häufig die Zeit, um im Casino zu spielen. Der Anteil der Individualtouristen aus Fernost sei aber stark steigend. «Wir schätzen ihren Anteil auf 25 bis 30 Prozent.» Davon werden alle Leistungsträger vor Ort profitieren – auch das Casino.


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