«Grosskonzerne sind nicht das Problem»

SURSEE ⋅ Otto’s-Chef Mark Ineichen verteidigt Parallelimporte und erklärt, warum die Fair-Preis-Initiative in die falsche Richtung geht.

24. September 2016, 05:00

Mark Ineichen, mit dem direkten Import von günstigen Markenprodukten aus dem Ausland ecken Sie immer wieder bei den Herstellern an. Zuletzt mit Haarpflegeprodukten der Marke Joico. Warum mussten Sie diese Produkte diese Woche wieder aus dem Regal nehmen?

Das ist eine vorübergehende Massnahme. Joico behauptet, dass eine bestimmte Serie nicht für den europäischen Markt zugelassen ist. Unsere Anwälte sagen aber etwas anderes. Bis dies geklärt ist, können wir diesen Artikel nicht verkaufen, weil wir sonst riskieren, uns strafbar zu machen.

Warum nehmen Sie gleich alle Artikel aus dem Regal und nicht nur die fragliche Serie?

Das hat rein organisatorische Gründe. Es wäre zu aufwendig, in jeder Filiale nur das fragliche Produkt aus dem Regal zu nehmen.

Wie lange wird der Stopp dauern?

Bis wir die betroffenen Produkte im Zentrallager aussortiert haben. Eine Zeitangabe kann ich nicht machen.

Und wie lange wird sich der Streit mit dem Hersteller hinziehen?

So ein Verfahren kann letztlich Jahre dauern. Dieses Katz-und-Maus-Spiel ist uns bestens bekannt. Meistens gewinnen wir am Schluss.

Am Dienstag ist die «Fair-Preis-Initiative» lanciert worden. Eine von der Stiftung für Konsumentenschutz angeführte Allianz will missbräuchliche Schweiz-Zuschläge unterbinden und so im Inland für günstigere Preise sorgen. Was halten Sie als Bekämpfer der Hochpreisinsel Schweiz davon?

Das Ziel der Initiative ist sicher begrüssenswert. Aber die Initianten haben wenig Ahnung von der Realität.

Wie meinen Sie das?

Die Initiative richtet sich gegen international tätige Konzerne, welche die Preise in der Schweiz künstlich hochhalten und so die hohe Kaufkraft abschöpfen. Das Hauptproblem sind aber nicht die Grosskonzerne – und beeindrucken lassen sie sich sowieso nicht von uns. Das Problem sind die vielen kantonalen Gesetze, die den hiesigen Handel daran hindern, parallel importierte Ware effizient zu verkaufen.

Machen Sie ein Beispiel.

Oft wird verlangt, dass ein Produkt in allen drei Landessprachen angeschrieben wird. Wenn ich also Coca-Cola aus Polen ­kaufe, muss ich auf Tausenden von Produkten eine Etikette anbringen, obwohl den Konsumenten klar ist, um welches Produkt es sich handelt. Das kostet Zeit und Geld und verteuert die günstiger eingekauften Produkte am Schluss wieder.

Warum versuchen Sie nicht, auf kantonaler Ebene diese Vorschriften zu bekämpfen?

Das bringt doch nichts. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Da spielen zu viele Interessensvertreter mit.

Hinweis

Mark Ineichen (45) ist seit 2001 CEO von Otto’s. Das Detailhandelsunternehmen mit Hauptsitz in Sursee beschäftigt schweizweit 2000 Personen. Mit rund hundert Filialen setzt Otto’s schätzungsweise 650 Millionen Franken pro Jahr um.

Interview: Maurizio Minettimaurizio.minetti@luzernerzeitung.ch


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