Haustiere essen immer gesünder

TIERFUTTER ⋅ Der Tierfuttermarkt boomt, da Haustiere einen immer grösseren Stellenwert im Haushalt geniessen – inzwischen gelten sie als vollwertiges Familienmitglied. Als solches steht ihnen auch ein gesundes Essen zu.
21. April 2017, 21:42

Federico Gagliano
 federico.gagliano@luzernerzeitung.ch 

Für Haustiere werden oft keine Kosten gescheut – besonders bei deren Ernährung. Der Pet-Food-Markt wird von zwei Riesen dominiert – Nestlé und Mars (siehe Tabelle). Zusammen machen diese zwei fast 50 Prozent des gesamten Tierfuttermarkts aus – ein Markt, der sich inzwischen weltweit jährlich auf fast 70 Milliarden Franken beläuft und immer weiter an Popularität gewinnt. Immer mehr Haustierbesitzer legen dabei grossen Wert auf Transparenz und hohe Qualität bei den Zutaten.
«Man kann sagen, dass die Tiernahrungsindustrie den Trends der humanen Ernährung und des Lebensmittelhandels folgt», heisst es bei der Fressnapf Schweiz AG auf Anfrage unserer Zeitung. Gesunde, artgerechte und natürliche Tiernahrung werde gesucht, die den Bedürfnissen des Haustieres entspreche. Doch woher kommt dieser Trend? «Die Wertschätzung des Haustiers als Familienmitglied steigt», so Fressnapf weiter. «Haustiere sind mit grossen Emotionen verbunden, fast vergleichbar mit einem Kleinkind.» Das Phänomen ist bekannt und wurde bereits mehrfach untersucht: In kinderlosen Haushalten übernehmen Hunde und Katzen die Rolle der Kinder. Man spricht sogar von Ersatzkindern, deren Bedürfnisse sogar vor die eigenen gestellt werden. «Der Besitzer will das Beste für sein Tier, er sorgt dafür, dass es ihm an nichts fehlt.»

Nahrung muss auf Tier abgestimmt werden

Die steigende Wertschätzung des Haustiers als Familienmitglied hat zwei Folgen: Erstens wird die Branche dadurch immer krisensicherer, zweitens steigt die Nachfrage nach Premiumnahrung. Darunter versteht man Lebensmittel aus hochwertigen Zutaten, die ohne zusätzliche Füllstoffe von minderer Qualität auskommen. «Daraus resultiert, dass das Haustier ein besseres Sättigungsgefühl entwickelt, mit allen Nähr- und Mineralstoffen versorgt ist und somit weniger Futter braucht», so Fressnapf. 

Bei Tief- oder Mittelpreisnahrung sei oft nicht klar definiert, welche Proteine sich darin befänden und wie viel Füllmaterial beigegeben werde, erklärt Tierarzt Flavio Regli, der nebenbei einen Tierfutter-Onlineshop führt. Das sei problematisch, da beispielsweise bei Katzenfutter darauf hingewiesen werde, dass viel frisches Gemüse neben dem Fleischanteil drin sei. «Das mag auf den ersten Blick imponieren, weil man denkt, das sei ein gesundes Futter. Katzen sind aber Fleischfresser, die auf einen sehr hohen Fleischanteil angewiesen sind.» 

Man soll aber deshalb nicht nur auf Premiumnahrung setzen. Die meisten Tiere haben keine Probleme damit. «Vor allem Rassentiere kämpfen oft mit Futterunverträglichkeiten, ja sogar mit Futterallergien, die sich vor allem mit anhaltendem Durchfall und Juckreiz äussern», erklärt Regli. Deshalb sei es wichtig, sich richtig zu informieren. Regli bietet deshalb kostenlose Beratungen an. Grundsätzlich rät er: «Die vorgesehene Tagesration sollte unbedingt eingehalten und nicht überschritten werden. Falls möglich, ist es ratsam, die Futtermenge auf zwei bis drei Portionen pro Tag zu verteilen, damit es keine übermässige Füllung des Magens gibt. Menschen essen ja meistens auch nicht nur einmal pro Tag.»

Ein weiterer Trend, der immer mehr Anhänger findet, geht in eine natürlichere Richtung: die Barf-Methode. Diese folgt aber keiner humanen Vorgabe, sondern geht auf die Nahrungsauswahl des Wolfes zurück. Der Name kann missverstanden werden: Obwohl «barf» wörtlich übersetzt «sich übergeben» bedeutet, stand die Abkürzung ursprünglich für «Born-Again Raw Feeders» (wiedergeborene Rohfütterer). Inzwischen versteht man darunter «Bones and Raw Foods» (Knochen und rohes Futter). Bei der Barf-Fütterung bekommt Hund oder Katze rohes Fleisch, Innereien und Knochen in einem bestimmten Verhältnis, das mit gegartem oder püriertem Gemüse oder Obst gemischt wird. Für die optimale Versorgung ist eine Ergänzung mit Mineralstoffen, Vitaminen und Ölen notwendig. Wichtig ist, dass die Rationen sehr sorgfältig zusammengestellt werden, um Mängeln vorzubeugen. 

Diese Frischfütterung bringt Abwechslung und gesunde Vielfalt in den Napf des Hundes oder der Katze. Da die Mahlzeiten selbst zubereitet werden, kann dem Liebling eine geschmackliche Vielfalt geboten werden, und der Haustierbesitzer hat die Kontrolle über die Qualität und die Zusammensetzung des Futters. Die Zusammenstellung der Zutaten kann laufend den Bedürfnissen des Haustiers angepasst werden und auf Rasse, Alter, Lebensumstände und Allergien abgestimmt werden. 

In den USA wird momentan unter anderem fleissig an der Vergrösserung des Barf-Sortiments gearbeitet. Der Tierfuttermarkt wird massgeblich von den Vereinigten Staaten gesteuert, da dort der grösste Umsatz gemacht wird. Rund 30 Milliarden Franken der jährlichen 70 Milliarden werden allein in den Vereinigten Staaten verdient (siehe Tabelle). Zum Vergleich: Grossbritannien, auf Platz 2 der umsatzstärksten Tierfuttermärkte, nimmt 5,6 Milliarden Franken jährlich ein. Und die Schweiz belegt mit 0,52 Milliarden Franken Platz 22. 

Die USA sind auch der Ort, an dem sich Wissenschaftler, Futterproduzenten und Marktforscher an Pet-Food-Konferenzen treffen, um die Industrie voranzutreiben. Fressnapf meldet, dass weitere Schwerpunkte der Tierfutterforschung bei der Verbesserung der Produkte im Tiefpreissegment und bei der Entwicklung von Tierfutter zur Verlängerung der Lebenserwartung liegen.


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