IWF, Weltbank und Merkel fordern Reformen

KONJUNKTUR ⋅ Die weltweiten Wachstumsaussichten sind unsicherer geworden. Reformen vor allem für mehr Beschäftigung werden immer notwendiger. Zu diesem Schluss kamen am Mittwoch in Berlin die Spitzen von IWF, Weltbank, OECD, der Welthandels- sowie der Arbeitsorganisation bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

11. März 2015, 22:19

Sie lobten zwar die Bemühungen "vieler" Euro-Länder, Produktivität und Beschäftigung zu erhöhen und die Haushaltslage zu verbessern. Dennoch seien weitere Anstrengungen nötig - vor allem im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit, für Strukturreformen sowie zur "wachstumsfreundlichen" Konsolidierung.

"Die Stärkung der Wachstumsaussichten hat weiterhin hohe Priorität", heisst es in einer gemeinsamen Erklärung Merkels und der Organisationen.

Zu dem Gespräch im Kanzleramt kamen die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, sowie Weltbank-Präsident Jim Yong Kim. Auch der Generalsekretär der Industrieländer-Organisation OECD, Angel Gurría, WTO-Chef Roberto Azevêdo und der Generaldirektor der Arbeitsorganisation ILO, Guy Ryder, nahmen daran teil.

"Die geopolitischen Risiken haben in verschiedenen Regionen der Welt zugenommen und stellen eine erhebliche Belastung für weltweite Wirtschaftsentwicklung dar", heisst es weiter. In einer Zeit unsicherer Wachstumsaussichten müssten die Anstrengungen für ambitionierte Reformen verstärkt werden.

"Positive Nachrichten"

IWF-Chefin Lagarde sagte mit Blick auf die Weltwirtschaft, es gebe tatsächlich Verbesserungen. "Zum ersten Mal seit langer Zeit sehen wir positive Nachrichten." Wichtige Faktoren seien das Wiedererstarken der US-Wirtschaft und eine positive Entwicklung in Grossbritannien.

Auch werde das europäische Wachstum vermutlich besser sein als erwartet. Insgesamt gebe es in den Industrieländern Fortschritte, grossartig seien diese aber nicht.

In den Schwellenländern wachse die Wirtschaft langsamer und "leider bescheiden", in den ärmeren Länder nur gering, sagte Lagarde weiter. Vom Ölpreisverfall, dem aufgewerteten US-Dollar sowie der Abwertung von Yen sowie Euro profitierten vor allem die Industrieländer. Mit Blick auf die Politik des billigen Geldes etwa in Japan und in der Euro-Zone warnte Lagarde vor Risiken durch die globale Währungspolitik. Dies werde zu stärkeren Schwankungen führen.

Wachstumsprognosen nach oben korrigieren

Merkel betonte, das Wachstum in der Europäischen Union sei "besser als in der Vergangenheit, aber noch nicht ausreichend gut". Auch die Kanzlerin warnte vor geopolitische Risiken, etwa durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und den Konflikt in der Ukraine.

OECD-Generalsekretär Gurría, sagte, der wirtschaftliche Ausblick habe sich auf jeden Fall verbessert. "Wir werden in den nächsten Tagen einige unserer Wachstumsprognosen nach oben korrigieren." Negativ seien neben der ungleichen Entwicklung und hohen Arbeitslosigkeit der Vertrauensverlust: "Reformen funktionieren, sie zahlen sich aus."

WTO-Chef Azevêdo verwies darauf, dass es inzwischen 90 andere Handelsabkommen ausserhalb der WTO allein unter den führenden Industrie- und Schwellenländern (G20) gebe. "Das ist eine Entwicklung, die wir sehr sorgfältig beobachten müssen." (sda/dpa)


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