Im Notfall steht Luzern am schlechtesten da

KANTONALBANKEN ⋅ Forscher der Hochschule Luzern haben ausgerechnet, welche Auswirkungen Kreditausfälle bei Kantonalbanken hätten. In Luzern würden Steuerzahler besonders stark zur Kasse gebeten.

01. Dezember 2016, 20:52

Kantonalbanken geniessen in der Bevölkerung viel Vertrauen. Ein wichtiger Grund dafür ist die Staatsgarantie. Diese besagt, dass die jeweiligen Kantone im Fall der Fälle für die Verbindlichkeiten ihrer Kantonalbanken haften. Diese Garantie gibt es nicht umsonst; Kantonalbanken zahlen ihrem Kanton dafür jährlich eine finanzielle Entschädigung. So lässt sich etwa der Kanton Luzern die Staatsgarantie auf alle Verbindlichkeiten der Luzerner Kantonalbank (LUKB) jährlich mit 6 bis 7 Millionen Franken abgelten.

Die Staatsgarantie ist seit 1999 nicht mehr Pflicht – und sie wurde in den letzten Jahren immer wieder in Frage gestellt. So kennen Bern und Waadt keine und Genf nur noch eine eingeschränkte Staatsgarantie. Sie steht heute vor allem dort in der Kritik, wo die Kantonalbank für den Kanton systemrelevant ist. Bei grossen Kreditausfällen ist hier die Wahrscheinlichkeit gross, dass Geld privater Investoren nicht reicht, um das Eigenkapital der Bank wieder zu stärken – und damit die öffentliche Hand Mittel einschiessen müsste.

Zwei Drittel der Erträge für eine Rettung

Die vor wenigen Tagen veröffentlichte Retail-Banking-Studie der Hochschule Luzern zeigt nun, wie stark die Kantone in Mitleidenschaft gezogen würden, wenn Kantonalbanken Kreditausfälle verkraften müssten. Die Studienautoren haben ein theoretisches Worst-Case-Szenario gezeichnet, um herauszufinden, wie hoch das Risiko für den Kanton ist. Nimmt man gemäss diesem Szenario an, dass in einem Krisenfall 5 Prozent der Kredite abgeschrieben werden müssen, zeigt sich: Der Kanton Luzern müsste für die LUKB zusätzliches Eigenkapital in einem Volumen zuführen, das rund 65 Prozent der jährlichen Steuereinnahmen ausmachen würde. Bei den meisten anderen Kantonen wäre der nötige Kapitaleinschuss wesentlich tiefer. In keinem anderen Kanton wäre die Quote höher als in Luzern (siehe Grafik). Am unteren Ende der Skala fällt auf, dass die Schwyzer Kantonalbank im Krisenfall aufgrund der aktuell hohen Eigen­kapitaldecke kein zusätzliches Eigenkapital bräuchte. Für Luzern bedeutet das Szenario der Hochschule Luzern: Bei Kundenausleihungen von 25,5 Milliarden Franken per Ende 2015 würde bei der LUKB ein theoretischer Abschreiber von 5 Prozent rund 1,3 Milliarden Franken ausmachen. Da die LUKB über einen komfortablen Eigenkapital-Puffer verfügt, müssten bei diesem Extremszenario maximal 737 Millionen Franken Eigenmittel eingebracht werden, um den nötigen Eigenmitteldeckungsrad beibehalten zu können. Im Vergleich zu den Steuereinnahmen des Kantons Luzern von 1,14 Milliarden Franken wären das die erwähnten 65 Prozent.

Das Volumen der Hypothekarforderungen der LUKB macht etwas mehr als die Hälfte aller Hypotheken im Kanton Luzern aus. Die LUKB ist also für den Kanton klar systemrelevant. Der Kanton hält derzeit 61,5 Prozent der Aktien der Luzerner Kantonalbank. Würde man nur von diesem Kapitalanteil ausgehen, würde der Kapitaleinschuss bei einer Rettung «nur» 40 Prozent der Fiskaleinnahmen ausmachen. Allerdings erachten es die Studienautoren als wahrscheinlich, dass der Kanton in einer Krisensituation als Mehrheitseigner die Eigenkapitallücke alleine decken müsste. Ein Szenario, bei dem sich die privaten Kapitalgeber bei der Rekapitalisierung der Bank proportional zu ihren bisherigen Kapitaleinlagen beteiligen würden, sei «optimistisch».

Kanton verdient gutes Geld mit der Kantonalbank

Das Szenario aus der Studie stammt von Professor Christoph Lengwiler, der das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern leitet. Er selber sass von 2001 bis zum Mai dieses Jahres im Verwaltungsrat der LUKB. Auf Anfrage betont er, dass es sich um ein Extremszenario handle, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit «sehr tief» sei. Alle Kantonalbanken seien derzeit gut kapitalisiert. «Zudem gilt es zu beachten, dass der Kanton Luzern auf seiner Kantonalbankenbeteiligung in den letzten 13 Jahren eine Rendite von rund 12,9 Prozent pro Jahr erzielt hat», gibt Lengwiler zu bedenken.

Dennoch: Das skizzierte Extremszenario könnte beispielsweise bei einem starken Zinsanstieg eintreten, der zu fallenden Immobilienpreisen und einem Konjunkturabschwung führen würde, der dann den Ausfall von Krediten und Zinszahlungen zur Folge hätte. Luzern stünde zwar im direkten Vergleich am schlechtesten da, doch auch die anderen Kantone würden stark in Mitleidenschaft gezogen: Für alle Kantonalbanken zusammen würden die Abschreibungen bei diesem Szenario rund 20 Milliarden Franken ausmachen – mit entsprechenden Folgen für die Steuerzahler.

Maurizio Minettimaurizio.minetti@luzernerzeitung.ch


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