In sechseinhalb Wochen zum Luxushotel

UMBAU ⋅ Bauprojekte dauerten in der Schweiz viel zu lange, wird immer wieder moniert. Der Storchen in Zürich zeigt: Es geht auch anders. Ganz anders.
16. April 2017, 14:11

Es wird auch als das «schönste Wohnzimmer der Stadt Zürich» bezeichnet. Auf jeden Fall zählt der Storchen zu den geschichtsträchtigsten und ältesten Hotels in der Limmatstadt. 660 Jahre alt ist das Haus mitten in der Altstadt in unmittelbarer Nähe zu Bahnhofstrasse und Paradeplatz.
Nun erhielt der Storchen ein Facelifting – und das in rekordverdächtigem Tempo. In nur sechseinhalb Wochen wurde ein Grossteil des Hotels mit seinen 66 Zimmern und Suiten umgebaut, renoviert und damit all jene Lügen gestraft, die behaupten, es gehe bei der Umsetzung von grossen Bauprojekten viel zu lang.

Der Umbau war allerdings ein Kraftakt, wie Hoteldirektor Jörg Arnold gesteht. «Es zeigt aber unsere Dynamik, unsere Bereitschaft, aus der Komfortzone herauszutreten und die Extrameile zu gehen.» Bis zu 400 Arbeiter waren phasenweise pro Tag auf der Baustelle, gearbeitet wurde im Schichtbetrieb von 6 Uhr morgens bis abends um 23 Uhr. Dies war vor allem eine logistische Herausforderung – unter anderem auch, weil das Hotel nur von einer Seite her mit dem Auto erreichbar ist. Damit es zu keinem Engpass kommt, wurden sämtliche Bauelemente sowie alle Leitungsrohre bis hin zur Badewanne in einer grossen Lagerhalle in Dietikon Zimmer für Zimmer, Raum für Raum bereitgestellt und entsprechend der jeweiligen Bauphase in den Storchen nach Zürich geliefert. Damit die Arbeiter motiviert blieben, sorgte die Hotelküche. Sie bekochte die ganze Crew während der gesamten Bauzeit.

Arnold und sein Team nutzten den Umbau, um gleich noch nach den Sternen zu greifen. Statt im 4-Deluxe-Bereich stieg der Storchen in die Königsklasse auf: Seit wenigen Tagen ist er ein 5-Sterne-Hotel. Eine Not dazu bestand nicht, wie Jörg Arnold sagt: «Der Storchen läuft gut. Es hätte wohl noch lange so weiter gehen können.» Doch das Umfeld verändert sich. In Zürich entstehen in den kommenden Jahren 2700 zusätzliche Zimmer. Vor allem stark am Wachsen ist der Budget-Hotel-Bereich. «Hotels im unteren Preissegment sind am Kommen, die 5-Sterne-Häuser spielen sowieso in einer eigenen Liga. Ungemütlich dürfte es für die Häuser in der Mitte werden», ist er überzeugt. Deshalb wagt der Storchen den Griff nach dem fünften Stern. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich weisen. An der Lage kann es sicherlich nicht liegen. Einen besseren Ort als mitten in  Zürich gibt es fast nicht. 

bu


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